Schlagwort-Archive: Schriftsteller

Entweihnachtet

es tanzt ein Bi-Ba-Butze-Virus herum
schon nah bei mir

alle Räder stehen still
keine Kassen klingeln

haben Hochmut nicht verloren
freier Wille und Vollgas über die Klippe

der Virus meuchelt Menschheit
Zeit steht still

nie gab es konkrete Zahlen
täglich

©hristoph Aschenbrenner

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Eingeordnet unter 2020, Lyrik

Achtung!

Unterwegs
Einsamer Wolf
Winter gedunkelte Straßen
Unsichtbar im Kernschatten
Zottelfell
Läuferinnen leichte Beute
Abschätzender Blicke
Belustigt
Träumt herbei
Stille Hauseingänge
Umarmungen
Warme Treppenhäuser
Küsse
Nah sind nur Musik
Und ziellos Stiefelschritte

©hristoph Aschenbrenner

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Eingeordnet unter 2020, Lyrik

Maximilian der Große

In einer kleinen Stadt hatten meine Großeltern ein Eckhaus.
Auf Besuch versammelten wir uns abends alle, Großeltern, die Eltern, meine Schwester und ich, unten in der guten Stube, um fern zu sehen. Drei Programme. Schwarzweiß.
Dabei fehlte auch nicht Maxel, der Hund, der am liebsten vor dem Ofen lag.
Ob Tiere eine Seele haben? Maxels Seele war friedvoller, zufriedener und kinderfreundlicher als das, was in manchen Menschen wohnt.
Ein Fernsehabend wie viele bei Oma und Opa. Die Männer. Rauchten und tranken Bier aus dünnwandigen Gläsern. Oma kommentierte das Programm laut und scherzte. Und neckte uns Kinder.
Heute weiß ich, dass meine Mutter immer gelitten hat. Die ganzen Ferien lang bei Vaters Eltern. Da war zu viel zerbrochen und nicht weggekehrt. Das hatte sie aber gut verborgen.
Da gab es ein lautes Klacken. Und ein Geräusch, wenn Glas knirscht.
Jemand hatte einen Stein gegen das Fenster zur dunkleren Nebenstraße geworfen. Ein Riss war entstanden.
Erst waren alle vor Schreck still. Nur der Hund bellte wie verrückt. Fast gleichzeitig riss es Vater und Opa von den Sesseln und sie eilten, Maxel vorauslassend, aus dem Haus und nahmen die Verfolgung auf.
Während die Frauen das Was, Wie und Warum diskutierten, stahl ich mich aus dem Zimmer und öffnete vorsichtig die Haustür.
Dunkle Straßen. Ausgestorben wie … eben wie bei einem Straßenfeger. Dem Tatort, den alle schauten um diese Zeit.
Ich sah gerade noch meinen Vater, der der schnellste war, gegenüber um die Ecke biegen. Gefolgt vom bellenden Hund, der wiederum von Opa, hatte im Krieg gedient, angefeuert wurde: „Fass! Fass Maxi! Fass!“
Nur er nannte ihn manchmal auch Maxi.
Vielleicht galt der Anschlag gar nicht uns. Vielleicht war es bloß ein Streich von betrunkenen Jugendlichen.
Es war Maxels große Stunde. Ein eher kleiner Stubenhundmischling, in dessen Stammbaum sicher der eine und andere Spitz zu finden war, ein Wollknäul auf dünnen, kurzen Läufen war auf Verbrecherjagd!
Es hätte keine Vandalen gebraucht, um dem Tier, endlich von der Leine gelassen, mal etwas Freiheit schmecken zu lassen …
Ich schloss die Tür hinter mir.
Über eine Stunde mussten wir auf das Trio warten. Als sie wiederkamen, sagte Vater in die fragenden Gesichter: „Sie sind uns entwischt!“
Müde waren sie. Maxel nahm am Ofen Platz. Leckte die Pfoten. Legte den Kopf darauf. Als Opa ihm was Gutes zur Belohnung gab, wedelte er mit dem Schwanz.
Wie ich ihn kannte. Keine Bestie.

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Eingeordnet unter 2020

Savannenläufer

Schlaf kurz und nicht allzu tief.
Autoscheinwerferlichter an den Zimmerwänden entlanglaufen. Mute flickering blue and red police lights from somewhere. Dein regelmäßiges Atmen neben mir. Das einzig Wichtige.
Der Gehörsinn bleibt immer wach. Eine Eigenart, die dem Leben in der Savanne geschuldet war.

Nachtjagende Tiere, groß genug, um uns zu reißen. Feuer schreckte sie ab, zugleich wussten sie, wo es frisches Fleisch gab.
Richtete sich die Sippe unter einem Felsüberhang ein, konnte die Gefahr nur aus einer Richtung kommen, wo wir einen Brand mittels Feuersteinen und Zunder entfachten. Trügerische Sicherheit.
Wir waren in der Lage, unser Fleisch im Lichte zu jagen. Aber die großen Flammen über uns erloschen. Ihre Funken besetzten den schwarzen Himmel, um die wandernde blasse Scheibe Vielgestalt zu beschützen. Wir wurden Gejagte.
In des Schlafes Schattenland durch das Gras laufen, konnte tödlich sein. Wenn das hungrige Tier mit den lanzenlangen Zähnen über die Glut sprang. Dann ein Zweites. Und noch ein Drittes.
14.000 Jahre entfernt. Ich werde niemals ihre Schreie vergessen.

Das Röcheln, letzte Zucken der Frau, bei der ich immer liegen durfte. Du. Wer zu den Waffen griff, wurde von maßlos tierischer Kraft unterworfen und zerbissen.
Wer fliehen konnte, floh. Aber wir kehrten zurück. Grausam der Anblick eurer Überreste, für die wir am Fels ein Grab einrichteten.
In diesen Tagen schlossen wir, ohne dass wir es recht wussten, einen Pakt. Wir würden unsere Geliebten rächen, bis das letzte dieser großen Raubkatzen gejagt und erlegt war und seine Zähne unsere Hälse und Felle schmückten.

Es dauerte einige Generationen und der Klimawandel kam zu Hilfe. Das große Tier mit den furchteinflößenden, langen Zähnen, welches man heute Smilodon, Säbelzahnkatze, nennt, haben die Savannenläufer ausgerottet. Wir waren keine Tiere. Wir waren schlimmer.
Der Mensch hatte eine neue Eigenschaft. Die Fähigkeit des Rachenehmens. Bald nahm Mensch an Mensch Blutrache.

Der Weckdienst.
„O no! Arr … I’m realy sorry!“
Ohne viel zu reden stehen wir auf, ziehen uns an und nehmen die Sachen. Ausgecheckt ist schnell. Nun das nächste Taxi Cab zum JFK. Da ist noch Zeit für einen Kaffee. Wach macht mich aber nur dein Lächeln.

©hristoph Aschenbrenner

Vorabveröffentlichung aus meinem Romanmanuskript.

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Eingeordnet unter 2020

Der Boss

Früh gecheckt
Und mitgespielt
Bis du der Boss
Und die Regeln machst

Jeder deine Fassade schaut
Hart und makellos
Dein Wort Gesetz
Unerbittlich

Spürst nun Nostalgie
Sehnst die Erdbeerfelder
Kirschbäume
Und Strohballen bauen

Suchtest Macht
Fandest Entfremdung
Verhungerst in Distanz
Welt der Befehle

Für immer fort
Zeiten des Spiels
Steigst du auch aus
Machst Platz dem Nächsten nur

Was bleibt schon
Als Hoffnung auf Freiheit

©hristoph Aschenbrenner

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Eingeordnet unter 2020, Lyrik

Not

Raffen, was geht,
den Rest stehlen.
Glück verdient sich nicht,
man muss‘ sichs holen.

Da ist mehr Mangel,
als man je ersetzen könnt‘.

Urvertrauen
Geborgenheit
Sicherheit
Bindung
Nähe
Wärme
angstfrei
schmerzlos

Greift, was sich bietet.
Manipuliert.
Spielt gegeneinander aus.

Nur, um zu spüren,
am Ende
brennt die Seele immer noch.

Lichterloh.

©hristoph Aschenbrenner

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Eingeordnet unter 2020, Lyrik

Écriture automatique 2.2

Fenster. Ungeputzt.
Winterkälte.
Straßenlicht.

Ohne Schlaf.
Fette Musik.
Aus jeder Ecke.

Erinnerungen.
Neu verzerrt.
Machen Angst.

Nie Soldat.
Nicht verteidigt.
Vater- und Mutterland.

Stabil.
Alle anderen:
Leckt mich!

Im Dunkel.
Musik in jeder Ecke.
Elektrobeats.

©hristoph Aschenbrenner

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Eingeordnet unter 2020, Lyrik, Musik

Écriture automatique 2.1

Fenster. Ungeputzt.
Winterkälte.
Straßenlicht.

Ohne Schlaf.
Fette Musik.
Aus jeder Ecke.

Erinnerungen.
Neu verzerrt.
Machen Angst.

Stabil.
Alle anderen:
Leckt mich!

Im Dunkel.
Musik in jeder Ecke.
Elektrobeats.

©hristoph Aschenbrenner

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