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Aus einem Milieu

Mit 18 rannte ich in Krefeld rum.
War Sänger in ’ner Luftgitarrenband.
Mein Vater nahm mir das immer krumm,
ich sollt ’s doch besser ham als er.

Wir malochten in der Fabrik bis vier.
Und der Meister schimpfte von früh bis spät.
Für meinen Wagen habe ich Breitreifen bestellt.
In uns’rer Kneipe ging drauf die letzte Mark für Altbier.

Es gab so viele Mädchen zu küssen.
So schöne hast du noch nicht gesehen.
Man legte den Gang rein
und schon fing an die Motorhaube zu vibrier’n.

Jetzt sitz‘ ich hier, bin etabliert,
und schreib mit Pentium 4,
ein Lamento über meine Vergangenheit,
damit ich den Frust verlier‘.

Ich hab ’nen Vetrag mit ’nem Verlag
und man nennt mich intellektuell.
Mein Vater wär‘ tierisch stolz auf mich,
hätt‘ er ’s noch mit erlebt.

Doch ich will zurück in den Dschungel,
wo die Aufrechten und Tapferen überleben.
Als Asphaltjunkie fahr’n bis die Sonne aufgeht.
Und wiederfinden, was ich einst verlor.

Ich will zurück in den Dschungel,
ich will zurück in den Dschungel,
ich will zurück in den Dschungel,
denn Liebe geht nicht ohne Verlust.

(©hristoph Aschenbrenner frei nach M. M.-W.)

Das ist mir so ‚raus geruscht‘ als mir simonsegur „Auf eine fett-fröhlich-baggerlose-kreativstarke 17!“ wünschte … ich habe erst gar nicht geschnallt, was er meinte.

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Im Abendland

In dem Haus, in welches ich täglich die Woche über gehe, befindet sich im oberen Stockwerk ein Gebetsraum. „Oh“, dachte ich, „Hier denkt man an alles.“ Gestern ging ich hoch, um mal rein zu schauen.
Ich klopfte erst respektvoll an. Und wenn die Tür verschlossen ist? Nein, ich konnte sie langsam aufdrücken.
Zuerst ein Waschbecken. Handtücher. Bereit liegende weiße Umhänge. Es gab kein Kreuz, keine Heiligenfiguren. Da war ein Teppich. Jedoch nicht gerade zur Wand ausgerichtet. Nun verstand ich. Der Teppich zeigte nach Osten zum Sonnenaufgang. Und das Buch auf der Fensterbank war der Koran.
Und mir wurde nun bewusst, warum auf dem Schild neben der Tür unter dem Wort Gebetsraum ein arabischer Schriftzug stand. Den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen, begleitet mich zurzeit oft.

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