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Atemnot

„Nimm mich!“ sagt sie, als sie aus dem Bad kommt. Ich tue mein Bestes.
Ich sei nicht geduscht gewesen, mault sie später. Was soll ich machen, es kommt alles so plötzlich.
Plötzlich wieder verliebt. Plötzlich jemandes „Lieblingsmensch“. Plötzlich rauchen nur auf dem Balkon.
Ständig Sex. Ständig Kompromisse. Ständig denken für zwei. Ihre Hingabe und Eifersucht. Spezialitäten sind überbackene Schnitzel, Maggi und Wertmarken für Kosmetika.
Ich schrei‘ sie an: „Ich will was Besond’res, kein Flittchen!“
Doch ich bleib stumm. Sie fragt, was wir nach dem Kaffeetrinken machen wollen? Spazieren gehen?
Heute Nacht hacke ich sie wieder. Ich lehne nackt über dem Balkongeländer. Rauchend. Sie folgt mir in die Decke gewickelt. Steichelt meinen Rücken, den Po.
„Ist dir nicht kalt? … hast du was?“
Ich schnippe die Kippe in den Garten. Sage nichts.
Geh! Lass mich einfach in Ruh …

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Jabba the Hutt

Jabba the Hutt legt ihn auf die Waage und verlangt 36 Cent. In meinem Universum ist es die Kassiererin mit langen, blonden, lockigen Haaren. Auch ihr sitzt der Kopf direkt auf den Schultern, und sie kann ihn nur drehen, wenn sie ihren Oberkörper mitdreht.
Faustgroß ist er und ich stecke ihn in die hintere Hosentasche. Ich möchte einen Spaziergang machen. Nicht weit. Nur irgendwie raus. Der Herbstanfang schenkt uns trockene, milde Tage. Spürbar früher wird es dunkel.
Da ist eine Bushaltestelle. Verwaist. Ich hole ihn raus und reibe ihn an meinem Hemd. Etwas, was es schon immer gab. Vor allem Bio-, Vegetarier-, aus-der-Region- und Veganermist. Ein Apfel.
Rot an fast allen Stellen, wenig gelb. Ich mag es, wenn beim rein beißen süßer und saurer Geschmack um die Wette eifern.
Noch genügend belebt die Straße. Gegenüber ein Kiosk. War dieses Jahr überhaupt mein Jahr? Ich sinniere. Vielleicht kommt ja noch was beim Endspurt?
Ich habe den Apfel bis auf die Kerne aufgegessen. Für den Rest gibt es verschiedene Bezeichnungen. Warum es bei uns die „Kitsche“ hieß, weiß ich nicht. Ich werfe sie hinter das Bushäuschen ins Gras.

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