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Wer ist „Schlafes Bruder“?

Nicht nur eine fürchterliche grammatische Konstruktion, sondern auch ein Bestseller zu Beginn der 90er. Ich habe diese Schweinerei auf einer betrieblichen Weihnachtsfeier beim Wichteln bekommen. Wer nicht weiß, was Wichteln ist, das ist nichts weiter als gegenseitiges unglücklich machen mit Geschenken. Das Buch beantwortete mir nicht die Frage, wer der Bruder des Schlafes ist, denn es war mir unmöglich, es zu Ende zu lesen. Und im Klappentext rühmte sich der Verlag damit, dass das Manuskript eine Odyssee hinter sich hatte und woanders zig Mal abgelehnt wurde. Mich wunderte das nicht!
Aber eigentlich wollte ich etwas anderes erzählen. Wenn ich in frühen Morgenstunden schon umtriebig bin, dann zur Arbeit gewesen bin und hier zu Hause schalte und walte, rettet mich ein Nachmittagsschlaf davor, den Verstand zu verlieren. Schlafentzug ist bekanntlich eine gute Foltermethode. Sich selbst solches anzutun, kann Symptom von emotionalen Extremsituationen sein.
Wie auch immer. Am Nachmittag besteht mein Einschlafritual daraus, mir eine CD auszusuchen und sie in der 5.1 Anlage abzuspielen. Das hat den Vorteil, per Fernbedienung die Lautstärke regeln zu können. Je müder ich werde, so leiser wird die Musik. Irgendwann vermischt sich die Wahrnehmung der Musik mit dem einsetzenden Tiefschlaf. Und jetzt wird es interessant. Ich schlafe und höre gleichzeitig einen mir bekannten Song. Aber dabei verliere ich jedes Zeitgefühl. Musik ist zeitlich jedoch genau definiert. Nicht nur als Zeitangabe für jeden Song. Auch innerhalb des Liedes gibt es feste Zeiteinheiten bis hin zu jedem einzelnen Takt. Wenn ich aufwache, ist aber der Song meist noch nicht vorbei! Wo also war ich? Oder sollte ich fragen, wann war ich? Im Schlaf, so könnte man daraus folgern, ist die Mechanik der Zeit aufgehoben oder zumindest verschoben worden. Denn die Dauer, die ich für den Schlaf brauchte, deckt sich gefühlsmäßig nicht mit der linearen Zeitabfolge einer vom Laser abgetasteten Disc. Oder anders gesagt, ich kann subjektiv keine Aussage darüber machen, wie lange ich von körperlicher und geistiger Erschöpfung zur Erholung und Erfrischung brauchte. Mysterium!
Doch darüber zerbreche ich mir nun weiter nicht den Kopf. Schließlich gibt es für ein Phänomen wie das Dé­jà-vu die triviale Erklärung, es käme lediglich durch Übermüdung …

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Weihnachtsfeiern und Vorträge – oder: Alle Jahre wieder

Es ist eine schöne Sitte, wenn die Kapitalisten wenigstens ein einziges Mal im Jahr dem Produktionsfaktor Arbeit, sprich uns, so etwas wie eine Anerkennung geben. Doch meist geht auch das nach hinten los.
In Zeiten gestrichenen 13. Monatsgehalts, Weihnachtsgeld etc. kann man froh sein, wenn die alljährliche Weihnachtsfeier noch während der Arbeitszeit stattfindet. Ich denke, vielen geht es so, dass dieser Akt von german gemuetlichkeit eine Farce ist, die nur mit hohem Konsum der Bowle und anderer Alkoholika zu bewältigen ist. Was das Ganze nun mit dem Christenfest an sich zu tun hat, ist eine Frage, die man besser gar nicht stellt.
Aber jetzt mal vom Allgemeinem zu mir. Ich bekam unverhofft eine freundliche Einladung eines ehemaligen Arbeitgebers dieses Jahr doch wieder an der betrieblichen Weihnachtsfeier teil zu nehmen. Und das war nicht irgendeine Wald- und Wiesenstelle, es handelte sich um das Institut für Internet-, Telekommunikation- und Medienrecht an der Universität hier. Fünf Jahre habe ich ihnen zuerst die Bibliothek aufgebaut und dann verwaltet. Auf solchen Feiern habe ich immer etwas Selbstverfasstes vorgetragen. Wir schieden dann als Freunde. Ich denke mal, der Professor dort ist mein Fan geblieben. In der Einladung hieß es, ob ich denn nicht etwas aus meinen Veröffentlichungen vortragen möchte? Ja, möchte ich! Und für einen Abend wieder etwas eintauchen in eine etwas exklusive Welt von Juristen, die selbst die besten Anwaltswitze kennen.
Der zweite Vortrag ist zugleich ein coming out. Bei meiner jetzigen Arbeitsstelle trage ich zur Weihnachtsfeier ebenfalls etwas annähernd Weihnachtliches und Selbstverfasstes vor. Zum ersten Mal. Und so bekommen die Kollegen mit, dass ich Autor bin. Praktischerweise steht der Text im Buch „Live! Poet auf der Bühne“, so dass es dann an meiner Professionalität keinen Zweifel geben wird.
Warum all das? Weil ich überzeugt davon bin, dass meine Geschichten in einen solchen Rahmen passen. Und weil ich kapitalistisch denke. Vielleicht werden meine Bücher dadurch gekauft.

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