Schlagwort-Archive: Winter

Achtung!

Unterwegs
Einsamer Wolf
Winter gedunkelte Straßen
Unsichtbar im Kernschatten
Zottelfell
Läuferinnen leichte Beute
Abschätzender Blicke
Belustigt
Träumt herbei
Stille Hauseingänge
Umarmungen
Warme Treppenhäuser
Küsse
Nah sind nur Musik
Und ziellos Stiefelschritte

©hristoph Aschenbrenner

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Eingeordnet unter 2020, Lyrik

Andere gehen grillen

Mann, der Frühling trifft einen wie eine Ohrfeige, die noch lange auf der Haut brennt. Ich habe im Winter einfach nur ans Überleben gedacht. Jetzt ist die Dunkelheit vorbei. Vermutlich traue ich mich sogar, mal zu lachen.
Mein neues Buch ist bald raus, ich hoffe im April. Urbanicity im sonderpunkt Verlag.
Meine beiden Kollegen, Martin Heinrich und Jürgen Flenker, veröffentlichen auch bald. Ha, irgendeiner schreit dann laut: „Eeerster!“
Meine Lektorin fragte völlig unschuldig, ob ich schon was für ein fünftes Buch hätte. Trotz offensichtlicher Geschäftstüchtigkeit war ich geehrt, mir so etwas zuzutrauen. Ohne Scheiß, ich gehe bereits mit etwas schwanger, habe aber noch keine Zeile geschrieben.
Mein Lieblingsplatz ist sowieso der Schreibtisch. Auch im Frühling.

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Eingeordnet unter 2017, Bei Sem;kolon zu Hause, Buch 4, Das neue Buch

Berge und Meer

Am Meer war ich mehrmals. Unverbauter Horizont. Kann schnell öde werden. Ich habe die Berge noch nicht gesehen. Weder die Alpen über- noch durchquert. Ich muss da auch nicht daran rumklettern. Nein.
Was ich schon immer liebte, war die Tiefebene. Ganze Landstriche auf einem Niveau. Wo ein Findling im ordentlich gepflegten Vorgarten Aufsehen erregt.
Ich wuchs auf dem flachen Land auf, später wechselte ich ein paar Breitengrade weiter nördlich und hatte Aussicht satt. Sofern nicht verbaut.
Früher konnte ich bei uns im oberen Stockwerk am Fenster stehen und sehen, wann mein Vater Feierabend hatte. Hinterm Fabriktor stieg er aufs Rad und radelte heim. Das waren gut sechs bis sieben Kilometer. Natürlich nur, wenn kein Nebel war. Oder die Bauern nicht ihre Felder düngten, wobei sich die Sonne weigerte, bis zum Boden zu scheinen.
Während ich auf meinen Vater sehnsüchtig wartete, konnte man große Industriewerke weit entfernt an ihren Schornsteinen und den Wolken erkennen, die sie ausstießen. Schwermetall.
Klar, Kirchturm bei uns mit Uhr. Und schräg gegenüber der kleine Zeitungs- und Kurzwarenladen, von dem ich wusste, dass das neue YPS-Heft angekommen war.
Unser Stadtteil war ein wenig isoliert. Vom Stadtzentrum durch einen Gürtel Felder getrennt. Aber die Trasse der Straßenbahn führte schnurgerade in unseren Ortskern. Und mein Papa radelte daran entlang. Auf einer breiten Straße mit Radwegen. Jeden Tag. Manchmal auch samstags. Als ich ihn mal fragte, warum er nicht die Straßenbahn nehmen möchte, sagte er mir: „An der Haltestelle warten ist langweilig. Da weiß ich nicht, was ich machen soll außer rauchen.“
Es gab nur eine Ausnahme, bei der mein Vater in die Straßenbahn stieg. Im Winter, wenn es morgens noch lange dunkel, und es aussah als falle der Schnee aus den Straßenlaternen. Wenn er als kräftiger und zäher Mann nicht mehr durch die Schneewehen fahren konnte. Oder bei spiegelnder Glätte und es genauso gefährlich war, die Glätte nicht zu sehen.
Ich überlege mir heute, dass mein Vater, der sein Fahrrad pflegte und liebte, sein Geld vielleicht lieber sparte, als jeden Tag ein Ticket zu lösen.
Als er da war, wir Kinder und meine Mutter ihn herzlich begrüßten, als wäre er für Monate weg gewesen, hat er mir die zweimarkfünzig für das YPS-Heft spendiert.

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Sonntagsbild 333

Sonntagsbild 333

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 8:34 Uhr
Wetter: wolkig & 3 °C
Stimmung: optimistisch
Chrizzy mit herzlichen Grüßen zum neuen Jahr aus der „Sommer“-frische!

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