Nach Tagen regenschwerer Bewölkung bricht die Sonne hervor und es werden sommerliche 30 Grad. Cirruswolken deuten auf eine stabile Warmfront hin.
Heute Vormittag hat er das Haus schon dreimal verlassen. Zuerst für tägliche Besorgungen. Dann bestelltes Brot abholen. Zuletzt ist etwas leer geworden, das er ständig braucht. Noch einmal in den Supermarkt. Für eine Flasche Würze von Maggi.
Die Leute, die er sieht, sind gut gelaunt, scherzen miteinander, zeigen ihre neue Sommermode oder gehen wie üblich ihren egoistischen Zielen nach.
Auf dem Parkplatz ist ein ständiges Auf- und Abfahren von Nobelkarossen, City-Flitzern, E-Autos und SUVs. Als Fußgänger wägt er ab, welches Fahrzeug er vorbeilässt und welches er ausbremst. Der Verkehrslärm, empfindet er, ist an warmen Tagen noch lauter, noch dröhnender als sonst.
Zu Hause bereitet er die warme Abendmahlzeit vor. Nudeln abgießen. Fenster öffnen. Ventilator einschalten.
Er zieht. Sich zurück. Nebenan dunkel, still, kühl. Setzt sich. Der alte Sessel. Seufzt.
In der Frühe hat er den Raum gelüftet. Nun schützen die geschlossenen Fenster vor Wärme und akustischer Belästigung. Die Rollladen herabgelassen. Tageslicht nur durch Ritzen.
In dieser Art Höhle kann er das Perpetuum Mobile seiner rotierenden Gedanken verlangsamen. Sogar stoppen. An jedem Gedanken hängen wie die Gondeln eines Karussells Empfindungen. Unsortiert, unverarbeitet, verdrängt führen sie. Zu. Angstzuständen. Zu. Panikattacken. Krämpfen.
Die Welt und ihre intensiven Details, die er ungefiltert wahrnimmt, draußen. Drinnen fährt sein System herunter für einen Neustart. In diesem Versteck existiert die Zeit nicht.
Geht er zum Kochen in die Küche, ist der Verkehr weniger aufdringlich, die Sonne nicht mehr grell, Passanten rufen keine Assoziationen hervor. Normal wie alle lässt er es sich schmecken. Mit ein paar Tropfen Maggi.
Gefällt mir Wird geladen …