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  • Märchenhaft

    Geboren von der heiligen Maria. Gesäugt mit Bohrmilch. Vater zur Frühschicht in die Fabrik.

    Kleiner Hänfling, wolltest die Märchen hören aus dem großen Buch. Akkurat gescheitelt zur Schule, sonntags in die Kirche. Kamen die Großen, gabs Haue.

    Besser, selbst älter werden und Freunde haben. Besser, Freunde haben und Mofa fahren. Besser, Mofa fahren und in der City Schallplatten kaufen.

    Plötzlich aus, das Märchen. Schuften für ein Auto. Sauer die Bohrmilch. Mit dem Auto Mädchen. Mit den Mädchen emotionaler Erdrutsch. Abgetragen bei stundenlangen Nachtfahrten ohne Ziel mit Cassetten.

    Als Geselle dachte er sich, er könne noch studieren und ein feiner Herr werden. Das Märchen wurde nicht wahr. Er scheiterte.

    Inzwischen der Vater gestorben. Die heilige Maria wurde alt, sie konnte nicht mehr so, wie sie wollte.

    Wie und wann sie auch alle lebten, nun sind sie jedenfalls tot.

  • Sehnsucht

    Nicht stillsitzen. Gedankenflattern. Stimmung im Schraubstock. Zu. Früh? Zu. Spät?

    Ein Blick, der alles ändert. Erwarten. Hoffen tut noch der Thor.

    Der andere Pol. Stellte Gleichgewicht. Zwei Paar Beine. Wieder auf dem Boden. Gibt sich nicht zu erkennen.

  • 2 Euro und 49 Cent

    Nach Tagen regenschwerer Bewölkung bricht die Sonne hervor und es werden sommerliche 30 Grad. Cirruswolken deuten auf eine stabile Warmfront hin.

    Heute Vormittag hat er das Haus schon dreimal verlassen. Zuerst für tägliche Besorgungen. Dann bestelltes Brot abholen. Zuletzt ist etwas leer geworden, das er ständig braucht. Noch einmal in den Supermarkt. Für eine Flasche Würze von Maggi.

    Die Leute, die er sieht, sind gut gelaunt, scherzen miteinander, zeigen ihre neue Sommermode oder gehen wie üblich ihren egoistischen Zielen nach.

    Auf dem Parkplatz ist ein ständiges Auf- und Abfahren von Nobelkarossen, City-Flitzern, E-Autos und SUVs. Als Fußgänger wägt er ab, welches Fahrzeug er vorbeilässt und welches er ausbremst. Der Verkehrslärm, empfindet er, ist an warmen Tagen noch lauter, noch dröhnender als sonst.

    Zu Hause bereitet er die warme Abendmahlzeit vor. Nudeln abgießen. Fenster öffnen. Ventilator einschalten.

    Er zieht. Sich zurück. Nebenan dunkel, still, kühl. Setzt sich. Der alte Sessel. Seufzt.

    In der Frühe hat er den Raum gelüftet. Nun schützen die geschlossenen Fenster vor Wärme und akustischer Belästigung. Die Rollladen herabgelassen. Tageslicht nur durch Ritzen.

    In dieser Art Höhle kann er das Perpetuum Mobile seiner rotierenden Gedanken verlangsamen. Sogar stoppen. An jedem Gedanken hängen wie die Gondeln eines Karussells Empfindungen. Unsortiert, unverarbeitet, verdrängt führen sie. Zu. Angstzuständen. Zu. Panikattacken. Krämpfen.

    Die Welt und ihre intensiven Details, die er ungefiltert wahrnimmt, draußen. Drinnen fährt sein System herunter für einen Neustart. In diesem Versteck existiert die Zeit nicht.

    Geht er zum Kochen in die Küche, ist der Verkehr weniger aufdringlich, die Sonne nicht mehr grell, Passanten rufen keine Assoziationen hervor. Normal wie alle lässt er es sich schmecken. Mit ein paar Tropfen Maggi.

  • Save My Soul

    Stationen des Tages. Nicht mehr viele. Kaum noch bedeutsam.

    Als es noch Pflichten gab, mehr geschafft. Und Freizeit ein hohes Gut. Das Boot ohne Treibstoff. Kein Kurs angelegt.

    Stundenlange Vergangenheitsbetrachtungen. Nautisches Unvermögen. Falls nicht stranden, gefunden, Hilfe bekommen. Sterben. An. Skorbut.

    Sich dessen bewusst. Blick löst sich vom Nachtprogramm. An der Wand. Ihr Bild.

  • Wenn du vorüber gehst

  • Im Wasser

    Werde verfolgt. Ein Rollen, Summen, Drehen, Gluckern, Stöhnen. Tag um Tag. Dröhnt nach in der Nacht. Nie schlafender Wasserdrache. Speit Schaum. Frisst Pulver wie Kokain. Bin sein Knecht. Ein. Laden. Heraus. Zerren. Auf. Hängen. (Mich. Am besten. Mit). Ein Spiel. Aus Physik, Chemie und Zeit. Bis sichtbar. Der Grund des Wäschekorbs.

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