Bis Sonnenaufgang

Was ist besser? Dieses? Jenes?
Noch Ideale? Träume?
In HD ein Film. Mit Werbeunterbrechungen. In HD.
Heute nur mit der Bäckereifachverkäuferin gesprochen. Kurz. Es ging um ein halbes Kasseler Brot.
Der Postbote durch. Nichts im Kasten.
Abend. Die Straße lebt noch mal auf. Motorradfahrer geben Gas. Grölende Fans vom Stadion. Im Haus nebenan übt jemand Saxophon.
Um halb zehn noch versucht, Leute ans Telefon zu kriegen. Zwecklos.
1 Uhr nachts. Ein Nackensteak in der Pfanne. Zart. Ketchup drauf.
Fern sehen.
Im Aschenbecher kein Platz mehr.
Richtig oder falsch? Gibt’s das eigentlich?
Mit dem Zwitschern der frühen Vögel den ersten Schluck Kaffee.

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Eingeordnet unter 2018

Sonntagsbild 447

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 6:29 Uhr
Wetter: Regen & 10 °C
Stimmung: entschlossen
Chrizzy stellt fest, manchmal ist offensichtlich einfach offensichtlich…

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Eingeordnet unter 2018, Sonntag, Sonntagsbild

Zum ersten Mal

Seit einigen Tagen haben wir es hier trocken. Die Luft wunderbar mild. Es sind 20, ja 22 Grad. Dazu kommt, dass die Sonne erst um 20 Uhr untergeht.
Mich hat das Frühlingswetter ein wenig verändert. Oh, wie habe ich im Winter an den Bushaltestellen gefroren. Geflucht auf die unpünktlichen Busse. Geflucht auf den bescheuerten Job. Geflucht auf alles. Meine Seele hatte ich verloren und verkauft. Der da unruhig auf die Linie 6 wartete, war nicht mehr ich.
Doch auch seelenlos kann ich Weichen stellen. Kann ich aller Vernunft zum Trotz Änderungen herbei führen. Damit ich meine Seele wieder bekomme. Ich muss nichts mehr, schon gar nicht mir etwas beweisen.
Es ist ungeheuer schön, den Frühling zu atmen und gleichzeitig mit Erfolg sinnvolleres tun als andere Leute Blätter in andere Leute Akten einzuheften.
Nicht, dass ich damit irgendwen beleidigen will, der eben dies macht – um mich selbst wieder zu finden, konnte ich es nicht mehr.
Morgens geht der Weg an Spargelfelder vorbei. So weit ist es schon? Aber Schneeglöckchen habe ich ja schon längst gesehen, wenn auch ohne Schnee …
Mit meinem neuen Elan kann ich kaum schlafen und ich hatte große Lust darauf, das Treppenhaus so gründlich zu reinigen, dass man es als solches wieder erkennt. Zumal der Dienst diese Woche auf mich fiel.
Sonne? Frühlingsspflanzen und Frühjahrsputz? Alles für mich positiv? Das ist der erste Text, mit dem ich den Frühling begrüße! Ich überrasche mich gerne selbst. Und wenn ich ein verliebtes Pärchen in den Straßen sehe, lächle ich sanft. Ich weiß, wie es sich anfühlt.

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Eingeordnet unter 2018

Eisbrecher V, Geniale Schachzüge

Wenn man wie ich beim Schreiben eines Buches ist, freut man sich als Autor über so manch guten Einfall. Dieses interessiert vielleicht weniger die, die keinen anderen Anspruch haben, als das fertige Werk zu lesen. Wir alle interessieren uns ja auch nicht dafür, woher die Zutaten für eine gute Suppe kommen und wie sie zubereitet wurde. Und von wem. Wenn wir in einem Restaurant sind. Es ist doch nur eine Vorspeise!
Trotzdem.
Meine Hauptfigur – muss im Gegensatz zu mir – reisefreudig sein. Er muss bestimmte Orte aufsuchen, um wiederum konkrete Anweisungen zu erhalten, die ihm Geld und Mittel verschaffen, um … eben diese Reisen machen zu können. Der Protagonist hat bis zu einem bestimmten Vorfall einen stinknormalen Bürojob gehabt, den er mit Freuden kündigte. (Ob sich das mit dem Schreibenden deckt, können meine engsten Vertrauten beantworten.)
Nun kommt die Würze in die Suppe. Eine zweite Person ist ebenfalls auf dem Weg. Und sie kann von all den Hinweisen und Verstecken nichts wissen. Dennoch findet der Mann in einer Geheimkammer alle Wertgegenstände und Geld nur zur Hälfte vor. Die andere Hälfte hat sie, ja, es ist eine Frau, genommen, und dafür einen Brief an ihn hinterlassen. So ein Miststück … aber das ist ein anderes Kapitel.
Was ich eigentlich benennen wollte ist, dass es länger gedauert hat, ihn zu diesem Versteck zu bekommen, nun aber soll schon jemand vorher da gewesen sein, ohne all die Informationen, Risiken und Mühen – aber wie?
Ich habe schon für schwieriges Lösungen gefunden. Ich finde dafür auch eine. Der Stoff, das Thema des neuen Buches ist mein Freund. Ruhig lässt er mich überlegen bis ich meinen nächsten Zug machen kann.

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Eingeordnet unter 2018, Buch 5, Das neue Buch

Sonntagsbild 446

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 6:45 Uhr
Wetter: aufklarend & 9 °C
Stimmung: ruhig und besonnen
Chrizzy weiß: In der Kunst kann man alles machen, aber man muss es können…

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Eingeordnet unter 2018, Sonntag, Sonntagsbild

Der erste Stich

Ich stehe morgens auf. Gehe nach nebenan, setze mich an den Tisch und kratze den Finger meiner rechten Hand. Je mehr ich kratze, um so mehr juckt es. Ich halte inne. Ein Mückenstich? Ja, ziemlich eindeutig. Soll ich mich freuen? An einen solchen Stich im letztes Jahr kann ich mich nicht erinnern. Aber an meine Besorgnis um den Rückgang der Insekten als Nahrungsquelle für Vögel und andere Tiere.
Ich stelle eine CD zusammen. Brenne eine CD von den Titeln einer Cassette. Die Cassette muss ich zu Beginn der 90er aufgenommen haben, aber die einzelnen Stücke verschiedener Interpreten sind älter, viel älter.
Zu der Zeit war der Umzug nach Münster. Auch musikalisch suchte ich neues Hörterrain. Die Charts der 80er waren Geschichte, alte Rock ’n‘ Roll Helden gab es nun auf CD, aber das war nichts Neues. Was die Teenies ansprach, waren Techno und Hip Hop. Etwas, was mir zunächst widerstrebte.
Gab es in meinem Plattenschrank vielleicht noch Alternativen? Da war der schwarze Trompeter mit einer automatischen Waffe auf dem Cover. Miles Davis. Eine Single mit David Bowie und der Pat Metheny Group. Die LP mit Dean Martins „Love Songs“. All das baute ein großes Netzwerk neuer Musikinteressen auf. Von Big Bands der 20er Jahre, Swing, Combos, Modern, Bebop, Cool und Fusion bis zu seinen Ausformungen heute – dem Jazz.
Oft habe ich beim Hören von Jazzmusik das Gefühl, melancholisch und beschwingt zugleich zu sein. Oder beschwingt und melancholisch. Beides darf nebeneinander existieren. Sind alle Gefühle des Lebens eindeutig?
„Jazz“ nannte ich dann die Cassette, die ich in den frühen 90ern beim Aufbau für eine Party abspielen ließ. Sie lief in einem portablen Gerät, wo das Cassettenfach von selbst auf die andere Seite umsprang, wenn die vorige zu Ende war.
Eingeladen hatte ich neben Freunden und Kommilitonen auch Geschwister. Alle kamen hierher. Eine nette Frau etwas eher, sie wollte mithelfen. Ab da waren wir einige Jahre zusammen.
Geküsst haben wir uns das erste Mal beim Sound von Seite B der … Jazz-Cassette!

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Eingeordnet unter 2018, Musik

Sonntagsbild 445 [Ostern]

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 7:01 Uhr
Wetter: nasskalt & 3 °C
Stimmung: überfordert
Chrizzy, dem es völlig egal ist, ob das Glas halbvoll oder halbleer ist, Hauptsache, es wird nicht umgestoßen…

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Eingeordnet unter 2018, Sonntag, Sonntagsbild

Des Vortrags müde

Jemand sagte mir mal, wie er sich das Rauchen abgewöhnt hat. Er brauchte ein bestimmtes Datum. Es war der Geburtstag seiner Mutter.
Oh Mann! Wie viele Lesungen habe ich eigentlich schon durchgezogen? Mehr als 20 Jahre kontinuierlich gelesen. Ich bin dabei, es mir abzugewöhnen …
Bei meiner ersten Lesung waren es gleich 100 Zuhörer. Weil wir als Autorengruppe auftraten, war für jeden Geschmack etwas dabei. Bei meiner ersten Solo-Lesung habe ich selbst die Bestuhlung in den Raum heran schaffen müssen …
Vor knapp zwei Jahren wurde mir klar, dass es sich für mich nicht mehr lohnt. Die Anspannung vorher und der Kick, im Scheinwerferlicht zu sitzen und zu fühlen, man hängt an meinen Lippen. Und dann ein erlösender Applaus.
Wir feierten 25-jähriges Jubiläum unserer Autorengruppe. Das Lokal wurde von jemanden von uns gebucht. Ich brauchte an dem Abend nur zusätzlich eine kleine Begrüßungsrede halten, aus welchem Anlass wir lesen, und dann hatten wir ein gutes Programm geplant. Von dieser Lesung wurde eine Tonaufnahme gemacht.
Eine Hälfte der Besucher war wegen uns gekommen. Die anderen waren Stammgäste des Lokals. Die Stammgäste haben ungerührt Gesellschaftsspiele an ihren Tischen gespielt. Leise waren sie zwar dabei, aber man kann im Mitschnitt hören, wie Würfel fallen! Dies ist eine Art von höflicher Ignoranz, bei der ich mehr kotzen könnte, als ich zu essen vermag!
Ich hatte immer die Maxime, dem Publikum etwas bieten zu wollen. Anspruchsvoll aber auch provokant. Letzteres ging eigentlich regelmäßig in die Hose, denn in diesem provinziellen Mistloch hier reagiert man einfach nicht! Man lässt den da vorne schön in Ruhe und glotzt ein wenig mit Kuhblick umher. Es macht keinen Spaß mehr …
Lesen war eine geile Sache für mich. Im Gemüseladen, im Wald, im Zoo, an der Uni, Kneipen, Musikhallen. Lampenfieber kannte ich nicht. Es gab den Moment der vollen Aufmerksamkeit der Gäste. Und mit wachsender Erfahrung wusste ich, ihn so lange zu halten, bis ich fertig war und der Beifall kam. Wie guter Sex eben.
Ich muss jedoch etwas grundlegendes falsch gemacht haben. Nach Jahrzehnten Lesungsveranstaltungen aller Art glaube ich nicht, dass ein Schwanz zu einer Lesung käme, wenn er meinen Namen auf einem Plakat sehen würde. All die Arbeit war umsonst. Der Orga-Kram. Die Werbungsbemühungen. Hier bin ich nicht auf dem Literatursektor bekannt. Warum? Weiß der Geier.
Ich muss auch zugeben, dass ich es satt habe, in einer neu eröffneten Location mit ein, zwei Kollegen zu lesen, wo dann wieder jene Interessenten zuhören, die ich als Autor geradezu verschmähe: Er mit einer großen Digitalkamera vor dem großen Bauch und in khakifarbener Weste mit gefühlt hundert Taschen. Sie in dem Alter, wo die Kinder aus dem Haus und selbst im Klimakterium. Sandalenträger. Gutmenschen. Und ich bin schon so alt wie sie …

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Eingeordnet unter 2018, Bei Sem;kolon zu Hause, Lesung