Nanu?!

Nebenan läuft Musik. Sanftere Balladen von Prince. Ich sitze hier am Schreibtisch. Lasse der Fantasie weitesten Raum.
Jemand säße im anderen Zimmer. Verhält sich ruhig. Liest vielleicht. Oder hat ein Tablet auf dem Schoß. Eine Frage wird hier rüber gestellt.
Aber ich bin konzentriert. Habe nicht verstanden. Warte, bis die Sache vielleicht wiederholt wird.
Finger huschen über Tatstatur wie Läufe eines jagenden Gepards.
Irgendwann. Irgendwann blicke ich auf. Wie lange hat sie mich am Türrahmen stehend schon beobachtet? Und wer könnte sie sein? Eine feste Freundin oder die Frau mit der ich verheiratet bin?
Es ist meine Geschichte – wir leben in wilder Ehe zusammen.
Sie fragt: „Wann möchtest Du schlafen gehen?“
„Pfff!“
Also ob ich das wüsste. Wenn ich müde bin?
Mir dämmert, dass sie keine Fragen stellt, ohne Absicht dahinter. Von direkter Kommunikation ist sie so weit entfernt wie unser Mond zu den Monden des Saturn.
Ausgerechnet mitten im Schreibfluss … Ich speichere ab und gebe auf.
Denn ich sehe sie dastehen. Mit ihrem ungeschminkten und doch so verzaubernden Lächeln. Augen reine Tiefsee. Und weichen, warmen, romantisierten Gesichtszügen, als würde sie eine Kamera mit Unschärfe filmen. Der Beleuchter hat auch ganze Arbeit geleistet.
Eine Schöne. Und sie ist meine!
Drehbuch und Text fällt mir ein. Ich habe sie zum Kuscheln ins Bett eingeladen.
Es ist selbstverständlich ihre ureigene Idee gewesen. Aber wie käme frau dazu, nach so etwas zu fragen, hat sie einen eloquenten Autor als Partner?

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2021

Sommersemester, Computerprobleme & Handys

Ja, es ist eine Herausforderung, den Unterschied zwischen Mesolithikern und Frühneolithikern zu lernen, die 5600 v. Chr. in Mitteleuropa aufeinander trafen. An der Universität. Als Student. Im Programm „Studium im Alter“. In der Corona-Krise.
Obwohl ich die Studiengebühren pro Semester ziemlich happig finde, genieße ich einen fast identischen Status wie die jungen Studenten, für die das Studium eine Berufsausbildung ist. Meine Matrikelnummer. Studierendenausweis. Universitäts-E-Mail-Adresse. Nutzung der ULB. Universitäts- und Landesbibliothek.
Gerade ist das Sommersemester zu Ende gegangen. Für meine beiden Vorlesungen im Historischen Seminar habe ich die Dozentin und den Professor um Teilnahmescheine gebeten. Einer ist schon da!
Warum ich seit 2019 an Veranstaltungen gerade im Fach Ur- und Frühgeschichte teilnehme, weiß der Geier … Mein Studiengang ist ein Studium generale. Ich könnte mir alles im Vorlesungsverzeichnis aussuchen. Als Autor wäre vielleicht wieder Germanistik interessant gewesen. Nein. Warum sollte ich stumpf wiederholen, was ich schon kenne?
Wenn ich zum bloßen Vergnügen zurück in die Arme von Alma Mater kehre, wollte ich Themen kennenlernen und vertiefen, die für mich neu waren. Im ersten Semester habe ich einiges ausprobiert. Die Relativitätstheorie z. B. Doch erst bei den archäologischen Disziplinen wurde ich richtig warm.
Und dann kam die Pandemie …
In einer ungeheuren Leistung stellten letztes Jahr die Verantwortlichen und alle technischen Mitarbeiter den kompletten Lehrbetrieb auf Zoom-Meetings um. Das hatte es so noch nie gegeben.
Pünktlich zu Beginn dieses Sommersemesters streikte mein Computer. Die Lüftung wurde irre laut und die CPU erhitzte sich wie wahnsinnig. Der hielt die anderthalb Stunden Video-Konferenz nicht durch.
Ich lud mir die App auf mein altes Handy und verfolgte auf dem kleinen Display wie mein Professor die frühe Bronzezeit en Detail in ihre Bestandteile zerlegte. Wie gut, dass es seine Präsentationen noch zum Download gab, so dass ich nacharbeiten konnte, was er live gezeigt hatte. Sofern mein Laptop mal nicht rumspinnte …
Zwischendurch erhielt ich ein aktuelleres Handy geschenkt, (welches aber auch längst das Verfallsdatum überschritten hat), und so hatte ich alles wieder von vorn einzurichten, um die Online-Vorlesungen zu verfolgen …
Hach je!
Mit vereinten Kräften versucht man an der Uni nun, alle Studierenden und Lehrenden bis zu Beginn des Wintersemesters impfen zulassen. Damit die Lehrveranstaltungen wieder in Präsenz besucht werden können. Ich bin noch skeptisch.
Natürlich ist es authentischer, im Hörsaal zu sitzen. Die Dozenten taten mir bei den Videokonferenzen leid. Es ist mehr Arbeit, als man sich vorstellt. Und nach eigenen Aussagen fehlte auch ihnen dabei etwas. Aber, bitte nicht weitersagen, die eigene Kamera ausschalten und in einer frühen Vorlesung, also ab 10 Uhr, nebenbei zu frühstücken hatte was …

Uni 2019

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2021

Buchstabiere „Mitgefühl“

Mir geht es gut! Eigentlich …
Ich habe den Tag über viel gemacht und erledigt. War als Hausmann fleißig und zufrieden mit mir. Spät, man kann es nicht mehr Mittagessen nennen, hatte ich eine warme Mahlzeit. Just danach rief meine Schwester an. Nach einem langen Telefonat, bei der sie von ihrem Job und von einigen Reisen sprach, hatte sie vor, sich auch etwas Warmes zu kochen. Noch später. Ich berichtete von meinem neuen Computer, der noch einzustellen und zu bestücken ist. Autorchristoph ist endlich bei Windows 10 angekommen. Daran muss man sich erst mal gewöhnen! Während der Plauderei mit meiner so weit entfernten Schwester, ist mir wieder eingefallen, wie man das Touchpad deaktiviert, wenn man die Maus bevorzugt.
Aber …
Ein ungutes Gefühl, mir wohlbekannt, macht diesen schönen Tag zunichte. Ich erkenne es an den automatischen Gegenmaßnahmen, die ich unbewusst schon ergriffen habe.
Das Fernsehen läuft nebenan vor sich hin. Eine Serie. Ich kenne sie schon gut. An den Stimmen kann ich erkennen, welche Charaktere gerade agieren. Und die Filmmusik dramatisiert die Handlung. Dazwischen haut dann die Werbung. In kurzer Zeit müssen Produktinformationen präsentiert werden, um Konsumenten bei Kaufentscheidungen zu „helfen“. In meiner freiwilligen Geräuschkulisse stören mich die Spots heute nicht. Bringt mehr Leben.
Wenn’s Abend wird, fühle ich mich oft, und zwar gleich wie der Tag war, isoliert. All die vielen Gigabytes an Gedanken, die ich mir gemacht habe, warten eigentlich auf ein Download von einem vertrauten, empathischen Menschen.
Den gibt es nur nicht.
Ich wüsste auch nicht, in welcher Beziehungsqualität dieser Zuhörer und Diskutant zu mir stehen sollte. Hätte ich vielleicht ein klares Bild, hätte ich diese Art Beziehung schon.
Ich halte Literaten per se für einsame Menschen. Es ist ihre Art auf sich aufmerksam zu machen. Zu schreiben. Zu veröffentlichen. Auch wenn die Leser zumeist anonym bleiben. Doch sein Sprachgebrauch, sein stilistisches Kennzeichen, ist dann wie. Leuchtfeuer. In. Der. Nacht.
Zu spüren, dass ich gesehen werde, gibt mir den Mut, auch den Rest des Abends und die Nacht weiter zu kommen, durch welche Abgründe und Untiefen auch immer.

3 Kommentare

Eingeordnet unter 2021

Freiheit 1984 – 2021

Starrte Decke an. Altbau und Schweiß. Dachbalken knackte.
Eltern nach Sendeschluss zu Bett.
Sommer & Heiß & Schwül. Fensterluke. Haus gegenüber versperrte Sicht.
Unverstanden.
Talent Mut Fantasie Leidenschaft.
Nicht gefragt.
Kleine Brötchen backen erlaubt. Wie immer schon. Einfach und sicher.
Sicherheit?
Im Anderssein keine Sicherheit.
Kleinebrötchenbäcker taten, was sie taten. Musste raus und auf und davon.
Lange Zeit. Vorbei.
Andersein hart. Erkämpft. Unbereut. Alles. Keine Sicherheit.
Lebensgeschichte. Zum Eigentum. Knackt Dachbalken nicht mehr.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2021

Körperdesign nach DIN Norm

In dieser Welt bedeutet das Wünschen nichts mehr, weil es um Machbarkeiten geht. Was machbar ist, wird gemacht, sofern du es bezahlen kannst. Möglichkeiten ausschlagen wäre nicht trendy. Jeder möchte Teil des Ganzen sein. Nicht ein ungeliebter Querkopf.
Einen meiner jüngeren, männlichen Nachbarn habe ich gerade mit einer großen, unförmigen Tasche aus dem Haus gehen sehen. Der wird zum Sport sein. Training. Verein. Vielleicht Fitnesscenter. Vielleicht laufen. Da sieht man, wie wenig ich davon verstehe. Zum Laufen genügen Laufschuhe und ein Handy. Denke ich.
„Man muss was tun“ – heißt: Zeit, Aufmerksamkeit, Kosten investieren, damit man seinen Körper ideal formt.
Bier- und Schwabbelbäuche haben keine Saison. Man trinkt zwar gerne Bier, aber dafür muss man mindestens zwei- oder dreimal die Woche Gewichte stemmen. Oder ähnliches.
Es gibt genügend Erfolgsbeispiele, also muss der Six Pack her.
Folglich wird die Köperzonenumgestaltung durch herum zuckelnde Muskelkontraktionen zum Ideal. Und damit zur Norm.
Jede Norm, im Guten wie im Bösen, bestraft Abweichler, nebenbei bemerkt.
Hier kommt die Fernsehwerbung auf den Plan. Es ist leicht einsehbar, dass sich anhand gesellschaftlicher Ideale Produkte verkaufen lassen. Mir scheint, das ist Voraussetzung.
Nehmen wir eine x-beliebige, häufig beworbene, bekannte und beliebte Ware. Ein Deodorant. Jeden sportlichen Zappelphilip wird es interessieren. Ich schildere den Aufbau eines Werbespots.
Zunächst werden zwei Spraydosen von Roboterarmen ins Bild gestellt. Dies ist ein äußerst wichtiges Detail, ich bitte, es bis zum Ende meiner Ausführungen zu behalten.
Es geht um Treue. Des Deos. Oder vielmehr seiner Wirkung. Sie ist treuer als dein bester Freund, die engsten Familienbande und auch die deines Hundes. Niemals, unter gar keinen Umständen, wird dich dieses Deo im Stich lassen! Wo du das hin sprühst, schwitzt nix mehr!
Ich finde das nicht immer vorteilhaft, aber das ist eine andere Geschichte.
Da ist als erstes eine junge Frau im Wintermantel in einer Hähnchenbraterei … nein, keine Hähnchen, aber große Wärmekollektoren wie in einem Grill.
Meine erste Frage ist, wieso geht sie in diese Extremsituation mit einem gefütterten Mantel und Kapuze mit Fellrand? Die Werbung verrät es dem Verbraucher: Roboterarme lüften ihren Mantel und unter der Achsel ihrer Bluse (falls das Wort noch Verwendung findet) – knochentrocken. Das beantwortet nur meine eigentliche Frage nicht …
Die nächste Situation ist eine allegorische Darstellung des allgegenwärtigen Stress. Menschen, nach 1980 geboren, kennen nichts anderes als Verzweiflung und Wirrnis. Ein heutiger Lebensstil, in welcher Varianz auch immer, erfordert stets einen guten Job. Und der fordert. Dabei steht der Stress in persona hinter einem.
Doch besagtes Deo beweist kompromisslos und unbeirrbar seine anhaftende Treue. Die Achselhöhle hier als bevorzugtes Deodepot ist und bleibt trocken …
Zwischenfrage: Was ist günstiger, Stressvermeidung oder ein Drogerieartikel zum Zerstäuben angenehmer Düfte?
Auch Werbestrategen kommen auf die Idee, hat man zwei Bereiche gezeigt, muss man noch die dritte Situation liefern.
Man sieht einen Läufer auf einem Endlosband auf der Stelle laufen. Vor ihm ist eine große Windmaschine. Er ist an einem Fallschirm angegurtet, der den Typen natürlich nach hinten ziehen will.
Wer macht denn sowas? Und was macht das mit einem selbst?
Workout. Heißt es. Bedeutet, alles zu geben, körperlich an die Grenzen gehen.
Workout. Mein Vater hatte das jeden Tag. In der Fabrik. Harte körperliche Arbeit. Seine Bizeps konnten sich sehen lassen. Und waren daher von der Firma bezahlt. Von euch Sportnasen kennt das keiner mehr.
Und das Deo? Der Irre atmet etwas schwerer, er ist am Hals verschwitzt, doch unter den Achseln hat ihn das treudoofe Deo natürlich nicht im Stich gelassen.
Würde ich mich für so ein überflüssiges Gehampel zwischen Windmaschine und Fallschirm stemmen, würde ich selbst zu einer Maschine werden. Eine physikalisch berechenbare Größe, welche getrost das Menschliche ablegen kann.
Hiermit schließt sich auch der Kreis. Die Roboterarme. Aus seelenlosem Blech zusammengeschraubter Oberschrott. Roboterarme stellen Hygieneartikel Maschinenmenschen zur Verfügung. Und diese haben den festen Willen zu funktionieren.
Als Leistungsverweigerer, Träumer und Beobachter der Gesellschaft denke ich in meinen schlaflosen Nächten oft nach. Es scheint, dass es keinen Fortschritt gibt. Es ist und bleibt stets dieselbe Dummheit, der die Leute hinterher laufen.
Apropos schlafen. Warum ich schlecht schlafe? Vielleicht, weil ich keinen Leistungssport betreibe, der mich auspowert …?

3 Kommentare

Eingeordnet unter 2021

Fazit

Im Wesentlichen ist es mir gelungen, im Leben zu erreichen, was ich erreichen wollte.
Im Wesentlichen.
Halten konnte ich nicht ein Du. Mein Gegenüber. Jemand, der mich im Spiegel zeigt. Und um den ich mich zu kümmern hatte. Wo aus Leidenschaft Liebe, aus Nähe Verantwortung und aus Vertrauen Gewissheit wurde.
Ich flatterte hierhin dorthin. Ehrgeiz fraß mich an. Dabei wäre so viel Platz in meinem Herzen gewesen.
Nun, wie lange mache ich noch? Jahrzehnte? Jahre nur? Werde keine Hand auf meiner spüren, wenn der letzte große Schmerz kommt, das Leben loszulassen. Das war dann eben so.
All die glänzenden Momente meines Lebens haben diesen Preis. Spektakulär lebte ich. Im Mund ein bitter Geschmack.
Vielleicht sehnte ich etwas, was ich nicht leben konnte. Vielleicht bewunderten andere, was sie nicht konnten. Was gut und richtig ist – ich werde es nie erfahren.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2021

Tage der Tränen

Das Klagen. Schreien

Clever sein. Der Erfolg



Du hättest nicht alles gewusst

Aber verstanden:

„Du machst das schon!“



Für meine Freiheit

Habe ich dich geliebt

Und kam immer wieder zurück



Etliche Erdbeben

Hat unser Verhältnis überstanden

Vater und Sohn



Leid. Kummer

Raffiniert sein. Das Glück



Ich werd es nicht mehr teilen.

Mit dir



©hristoph Aschenbrenner

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2021

Number # 1

Nebenwirkungen? Keine.

Ein Kommentar

Donnerstag 17. Juni 2021 · 06:47