Hören 2.0 – Die Maske

Meine liebgewonnenen Hörgeräte. Sie sind so leicht, dass ich nicht spüre, ob ich sie trage. Wie eine kleine Niere befindet sich das Mini-Mikrofon und die Technik nebst Schaltmöglichkeiten hinter dem Ohr. Innen die Batterie. Hinter dem Ohr oben bis herunter zur Mitte der Ohrmuschel.
Das ist genau der Bereich, wo meine Brille mit den Enden ihrer Bügel auch sitzt. Doch in die Quere kommen sich nun beide Sinneshilfen nicht. Die Brille liegt etwas vor dem Hörgerät an, also direkt am Kopf. Das Aufsetzen und Absetzen der Brille erfolgt nach einer kurzen Eingewöhnungszeit vollkommen problemlos.
Nun habe ich dort immer die FFP 2 Maske mit ihren beiden elastischen Bändern getragen. Als ich das erste Mal mit Hörgerät einkaufen ging, saßen also drei Dinge hinter den Ohren. Diese Masken liegen eng an, wenn ich vom Parkplatz des Supermarkts herunter gehe, ist das erste Tun, Maske runter!
Und da passierte etwas Schlimmes. Ein Hörgerät flog bei dieser schnellen Nummer davon …
Ich blieb steif so stehen, wie ich war. Mein Stiefel hätte diese filigrane Technik zermalmt. Ich ging in die Hocke und suchte den Boden um mich ab. Dann fing ich an, eine Einkaufstasche auszuräumen. Vielleicht hatte ich Glück, und es ist direkt dort hinein gefallen?
Während ich so meinen Einkauf vorsichtig auf den Boden verteilte, fiel mein Blick auf den Stamm des nächsten Baumes. Auf dem Geviert von Erde, die man ihm gelassen hatte – lag mein Hörgerät! Es war weich gefallen, funktionierte noch und vor allem, ich hatte es wieder.
Maske wurde zum Problem. Es war sicherer, eine Hörhilfe heraus zu nehmen, um dieses Sicherheitsutensil in Corona-Zeiten abzunehmen.
Doch wer wusste dafür auch einen Rat? Mein Jedi-Meister, der Hörgeräteakustiker!
Dazu benutzt man jene Plastik-Clips, die oft in Packungen von Masken dabei sind.

Man hakt das eine Band der Maske in den Plastik-Clip ein. Man stülpt sich die Maske über Nase und Mund. Dann führt man hinter dem Kopf im Nacken unter dem Haaransatz die Bänder herum – und hakt das andere Band in den Clip hinein.
Die Maske sitzt, wie sie soll, und das ein- und aushaken geht schnell.

Ich habe eine nette Freundin, die wegen der Maske und weil sie viel mit Klienten zu tun hat, ihr Hörgerät nicht mehr trägt. Daher hoffe ich, diese Erleichterung für die Maske würde sich bei vielen Menschen mit Hörbehinderungen herum sprechen.

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Vermeidbar

Siehst du den Mann?
Alt schon.
Wie lange noch?
Bestellt Bier.
Trinkt allein.
Wie lange noch?
Wie lange noch?
Gegenwart schwindet.
Wichtig. Was war.
Wie lange noch?
Wie lange noch?
Wie lange noch?
Haben ihn ruhig gestellt.
Betäubt.
Wie lange noch?
Wie lange noch?
Wie lange noch?
Wie lange noch?
Sonnenschein.
Blaues Firmament.
Elternhaus.
Er starb allein.

©hristoph Aschenbrenner

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Vor dem Spiegel

Makellos. Rasiert.
Frisch. Frisiert.
Gebügelt. Weißes Hemd.
Gebunden. Krawatte.
Anzug. Nadelstreifen.
Kommst um abends zehn heim.
Zuviel.
Zuviel getan. Ohne Sinn.
Zuviel geleistet. Ohne rechten Lohn.
Zulange aufrecht erhalten. Das System.
Zu lange. Alles ertragen.
Zu lange.
Zu viele. Fragen.
Antworten. Gibt es nicht.
Ab jetzt.
Ganz allein.
Bartstoppeln.
Gelöst. Krawatte.
Um Hilfe schrei’n.
Laut. Lauter!
Um Hilfe schrei’n.
Schrei! Schrei! Schrei!

©hristoph Aschenbrenner

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Hören 2.0 – The Dark Side Of The Moon

Jede Münze hat zwei Seiten, nicht wahr? Und es gibt die Helle und die Dunkle Seite der Macht. Das Gute und Böse.
Heute saß ich zum dritten Mal meinem Jedi-Meister gegenüber. Ich bin ein gelehriger Padawan gewesen.
Die Hörerlebnisse mit meinen beiden Hörgeräten rechts-links schilderte ich ihm in prallen Farben.
„Vom Papierrascheln, frisch und crisp, kann ich als Schriftsteller nicht genug kriegen! Ich höre wieder, wie sich Wind an den Ohrmuscheln verfängt. Ich höre das Zischen von Süßstofftabletten, wenn sie sich in Tee auflösen, obwohl Musik im Hintergrund läuft. Und ich wusste nicht mehr, dass es eine elektrostatische Entladung geben kann, wenn man sich den Pullover über die Haare zieht. Ich hatte es vergessen, weil ich es nicht mehr hörte!“
„Ich habe meine frühere Welt zurück! Und die Geräte gebe ich nicht mehr her!“
Der Hörgeräteakustiker schien gerührt zu sein. Es freue ihn sehr, sagte er, dass ich das so positiv aufnehme, denn für viele Kunden könne das alles Störgeräusche sein.
Darunter musste er als Fachmann gelitten haben. All die negative Energie …
Ich spürte für einen Moment ein Ungleichgewicht der Macht. Als Padawan fühlte ich mich in Versuchung, ihm einen Streich zu spielen.
Plopp! Ein Knopf seines Hemdes sprang am Äquator auf. Er hatte einfach nicht mehr darauf geachtet, dass sein Bauchumfang physikalisch nicht in sein blaukariertes Hemd passte. Übrigens, ich sehe ihn nur in dieser Sorte Hemd. Er wird praktischerweise ein dutzend Identische davon haben.
Wie auch immer. Störgeräusche ist für nicht der richtige Begriff, auch, wenn das in Fachkreisen wohl so verwendet wird.
Als Jedis waren wir einer Meinung. All das wieder zu hören, was sich schleichend verabschiedet hatte, kann zu Überforderung des Patienten führen. Die nicht mehr gewohnten Geräusche führen dazu, dass das Hörgerät leider abgelehnt wird und in Ecken herumliegt. Irgendwann ist auch das beste Einstellen der modernsten Geräte an ihre Grenzen gekommen.
Wie schön, habe ich ihm jedenfalls in dieser Hinsicht nicht den Tag versaut.
Doch nachdem ich ihm versichert habe, wie glücklich ich nun mit den Hörhilfen im Alltag bin, hatte ich noch ein Problem damit, die Kehrseite der Münze, die ich ihm vortrug – und als Unkundiger nicht wissen konnte, ob der Meister das wird lösen können.
Es geht einfach um mein exzessives Musik hören. Mit den Hörgeräten, die im Alltag sowohl die hohen Töne verstärken, als auch, besonders auf rechten Seite, die Hörleistung anheben müssen, hörte sich meine Lieblingsmusik zum Kotzen an!
Aber Hallo! Wo komme ich denn dahin, wenn ich auf meiner analogen Standardanlage nun alle hohen Gesangsstimmen und Gitarren als kreischende Kreissägen wahrnehmen muss und meine geliebten Bassgitarren und Drum Rhythmen dabei untergehen?
Hörverschlechterung ok, aber auch, als ich gut noch gut hörte, war ich verrückt nach Bässen in Musik. In dieser Gesinnung habe ich Musikanlagen ausgesucht und eingestellt. Daher habe ich es auch lange nicht bemerkt, dass die hohen Frequenzen meines Hörvermögens verschwunden sind.
Ich hatte geradezu Testreihen durchgeführt: Musik aus den 60er Jahren bis heute. Und auffällig immer dann, wenn ich meine Referenz-Musikanlage leiser stellte. Gut, dass muss eine Macke der Hi-Fi-Anlage sein. Doch ich muss ja keine Nachbarn mehr quälen, wenn die Hörgeräte meine Hörleistung verstärken, oder?
Diese Anlage ist noch voll analog. Sie ist so alt, dass sie mit nichts anderem als Halbleitertechnik arbeitet. Und das war damals beim Kauf schon fortschrittlicher als im Raumschiff Enterprise von James T. Kirk. Heute muss ja jeder Toaster eine Mikrochip haben …
Und das trug ich dem Jedi-Meister vor.
Ich war präzise: Ich möchte keine Kreissägen in meiner geliebten Rockmusik durch die neuen Hörgeräte hören. Punkt.
Ich sagte: „Für den Alltag bin ich mit den jetzigen Modellen zufrieden. Aber Musik hört sich nun fürchterlich an. Die Höhen kommen verzerrt und viel zu aggressiv rüber. Die Geräte deshalb aus den Ohren nehmen, ist keine Option, weil mein linkes Ohr im exakten Stereophasenraum ja zu wenig hört.“
Beeindruckend, nicht wahr? Das ist aber mein Fach-Speech, wenn es um Musik und Akustik geht. Warum soll ich das einem Fachmann, der das gelernt hat, denn nicht auch konkret so benennen? Egal!
Es hat heute nicht mal eine viertel Stunde gedauert, da wurde ich wieder in die Welt gelassen – mit einem propper „Musikprogramm“.
Zuhause. Testreihen. Erste CD. Erstes Album der Beatles. Ein rockiges Lied. Laut und dann leise. Und ohne das neue Musikprogramm.
Es ist eine verdammte sehr gute Remaster-CD! Trotzdem, mit den Hörgeräten kreischen die Kreissägen und, verhext noch mal, gerade dann, wenn ich die Lautstärke niedriger einstelle.
Und nun der gleiche Song, aber ein Tippen am Hörgerät und mein spezielles Musikprogramm läuft. Es ist ja nach meinen Wünschen konfiguriert, sofern es technisch machbar war.
JAAA! Paul pumpt mich mit seinem Bass tief in die Sofakissen. Ringo trommelt sicher wie ein Metronom. John gibt am Mikro alles – ohne Kreissäge zu sein. Und die Gitarre von George? Sie perlt daher! So wie einzelne Kuhglocken, die von behäbig grasenden Kühen auf der Alm mal hierhin und dorthin getragen werden. Und das Ganze noch exakt in Stereospektrum. Wobei man als Fan weiß, der Gesang ist mehr auf der rechten Seite.
Direkt danach die Rolling Stones gehört. Der letzte Hit. Aktuell vom letzen Jahr. „Living in a Ghost Town.“ Ein moderne Produktion. Es ist mit dem Musikprogramm meiner Hörhilfen immer noch alles an seinem gewohnten Platz, hat die gleiche Intensität und das bluesige Feeling.
Möge die Macht in Euren Ohren sein!

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Ohne Erlaubnis

Niemandes Sohn
Mehr
Laut
Dreckig
Long live Rock

Niemandes Sohn
Was ich will
Mach ich
Will Streit!
Long live Rock

Niemandes Sohn
Feiges Gewürm
Spuck euch an
I will rock
Leckt mich!

Heut gebor’n
Morgen tot.
Dazwischen
Gelebt?
Niemand

©hristoph Aschenbrenner

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Frühjahrsstürme

Wind Wind
Fegst Straßen leer

Wind Wind
An meinen Ohren

Singst vertraute Melodie

Wind Wind
Wiegst junges Laub

Zerstreust Blütenpracht

Wind Wind
Weißt du noch?

Hast sie fortgenommen.
Liebe meines Lebens

©hristoph Aschenbrenner

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Systemversagen

Stimmung. Tiefe Frequenz.
Schmerzen. Im Diskant.

Auf der anderen Seite des luftleeren Raums.
Havarierter Blecheimer AM Five-Four.

Ohne Antrieb.
Durchgebrannte Sicherheitssysteme.
Hüllenbruch.
Höhnendes Rotlicht.

Navigationskontrollverlust.
Zu wenig Sauerstoff.
Kälter kriecht. In den Anzug.
Funkspruch. Ungehört.

Schwerelos
Taumeln
Allumfassend
Nichts

©hristoph Aschenbrenner

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Stacheldraht

Des Widerspruchs müde
Der Widersprüchlichkeit in mir

Lebe allein auf diesem Planeten
Hilfe gibt es nicht

Übervölkert der Planet
Die Forderungen anderer

König der Zeit
Bringst es noch

König der Zeit
Findest

Das fehlend Glied
Zwischen gestern und heute

©hristoph Aschenbrenner

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