„Happiness is a Warm Gun“

Der Titel dieses Beitrages ist zugleich der Titel eines Beatles-Liedes auf dem White Album. John Lennon hat den Song geschrieben.
Als ich zur Schule ging und in die Pubertät kam, war ich ziemlich fixiert auf die Beatles. Ich las viel über sie und sammelte die Platten. Obwohl deren Trennung zehn Jahre zurück lag. Ich wurde viel mit dem Kunstbegriff konfrontiert. Ihre Musik und ihre Songtexte änderten sich im Laufe ihrer Karriere.
Zu Beginn waren es schnelle und langsame Rock’n’Roll Nummern, dann achteten sie darauf, dass Musik und Texte anspruchsvoller wurden. Eine Rockband, die eine Ballade wie „Yesterday“ mit einem klassischen Streichquartett untermalte, begriff selbst ich als Sensation. Sie wollten Künstler sein und nicht mehr Zuschauerrekorde in Stadien aufstellen, wo das permanente Gekreisch der Fans ihre eigenen Verstärker übertönte.
Vor allem damit konnte ich mich identifizieren. Gefällt dir eine Sache nicht mehr, probiere etwas anderes aus. Und scher dich einen Dreck um das, was andere sagen.
Ich trug damals einen gelben Nicki Pullover. Exakt so einen, wie ihn John Lennon auf den Fotos zum Weißen Album trug. Ich glaube, das war aber eher Zufall.
Auf irgendeinem Flohmarkt habe ich das passende Accessoire dazu erstanden. Eine große (entschärfte) Maschinengewehrkugel, die ich am Lederband um den Hals trug. Von einem Kaliber, das nur Arnold Schwarzenegger mit einer Hand abfeuern konnte …
Was ich damit wollte, war zeigen, dass der Krieg besser in „Schmuckstücke“ zu verwandeln wäre, als ihn stattfinden zu lassen. „Schwerter zu Pflugscharen“ und „Give Peace a Chance“.
Ich weiß nicht mal mehr, ob ich damit Ärger von den Lehrern in der Schule bekommen habe. Ich habe diese Scheußlichkeit irgendwann in die Mülltonne geschmissen …

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„Steel and Glass“

Aktuell beim hiesigen Optiker. Nee, nix Fielmann! Nach zwei langen Beratungsgesprächen den Auftrag erteilt.
Ich fand es schon immer schwierig, die Grenzen der Physik zu akzeptieren, was die Gläser betrifft und mich zu entscheiden, was das Brillengestell angeht. So auch bei meiner allerersten Brille.
Ich war 14 Jahre alt. Mir eine Brille aussuchen gehörte zu den frühen Dingen, die ich ohne das Beisein meiner Eltern zu verantworten hatte.
Es war kurz nach John Lennons Ermordung. Ich werde es nie vergessen, wie und von wem ich die Nachricht erhielt. Jede Generation hat ihr Idol, das gewaltsam umkommt. Für meine Mutter war es John F. Kennedy. Man hatte einen meiner Beatles umgebracht! Es gab keine Diskussion. Ich wollte die runde John-Lennon-Nickel-Brille. Als Zeichen der Solidarität und des Kampfes für den Frieden, für den sich Komponist, Sänger und Gitarrist Lennon eingesetzt hatte. Yoko Ono hin oder her …
Übrigens, als ihn die fünf Kugeln trafen, trug er eine andere Brille.
Damals bei unserem örtlichen Optiker wurde mir dann die runde John-Lennon-Brille aufgesetzt. Welch ein Entsetzen – sie passte gar nicht zu meinem Gesicht! Zu groß und der oberste Teil ging über die Augenbrauen hinaus. Katastrophal. Die Angestellte des Ladens hat mir dies auch bestätigt. Es hat gedauert, bis ich eine Alternative gefunden habe, mit der ich leben konnte.

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Sonntagsbild 483

Tageszeit: früher Morgen
Sonnenaufgang: 8:29 Uhr
Wetter: Wolken bereiten sich auf Regen vor & 7 °C
Stimmung: verzweifelt
Chrizzy wurde 3 Jahre lang beigebracht, dass dieses Werkzeug „Schraubendreher“ zu heißen hat…

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Interessant!

Ich räume meine Schreibtischschublade auf. D. h. ich verringere den Inhalt um 90 %. Wie kann man nur einen Einkaufsbon über Schweineschnitzel zu 1,99 € aufbewahren? Oder die Lieferscheine aus dem Chinarestaurant? Pappstücke mit denen Socken und Slips verkauft werden? Überholte, nicht mehr brauchbare Notizen? Und … und …
Bei einem gelben Zettel in DIN A 5 hielt ich meine Hand zurück, die schon über dem Papierkorb schwebte. Ich habe meine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen gesammelt! Warum? Zumindest als Beweismittel, falls der Arbeitergeber Krankheitstage nicht notiert hat.
Es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Nehmen wir das Jahr 2017.
Ich komme auf 103 Tage Krankschreibung und zwei mal 25 Minuten Praxisaufenthalte, die ich nachweisen musste. In den 103 Tagen stecken auch Sonn- und Feiertage drin, dennoch ist es schon so fast ein Drittel eines gesamten Jahres.
Bevor jetzt der eine oder andere die Schnappatmung bekommt, dies geht nur mit einem Arbeitgeber, der auf labile Menschen Rücksicht nimmt, sich aber auch an korrekte Abwicklung von Fehltagen halten muss.
Trotzdem …
In dem Jahr ist viel kaputt gegangen. Ganze Abteilungen wurden aufgelöst und wieder neu zusammengewürfelt. Andere Nasen, die was zu sagen hatten. Ich hatte einen Ausweg zu finden. Die oder ich! Alles kotzte mich an – dieses in Großbuchstaben geschrieben …
Die Diagnosen auf den Krankenzetteln waren nach ICD wie das stete Kreisen des Geiers über das Aas. Ich habe also den Kadaver beseitigt und bin raus aus der Maschinerie. Macht’s gut und grüßt mir die Genossen! Danke für die Jahreslose jede Weihnachten. (Ich habe nie etwas gewonnen.)

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Guter Vater, schlechter Sohn

Er sagt:
Nöbel statt Möbel,
Tölke statte Telgte,
Dellis statt Dennis,
Till statt Dill.
In seinem Elternhaus wurde nichts weiter als Kauderwelsch gesprochen.
Damals in der Volksschule Buchstabieren und Abzählen gelernt. Ein wenig Schreiben. Dann kam der Krieg.
Nach mehr als 30 Jahren Frieden in Europa wollte ich meinem Vater das Sprechen beibringen. Überlegene Klugscheißerei in zehn soliden Schuljahren.
In 30 Jahren bin ich vielleicht so alt wie er. Wir werden es nicht mehr zusammen erleben.
Papa atme! Atme und rede, rede was und wie du magst! Und vergib.
Mir.

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The legendary Years

Die Stadt, oder wer dafür zuständig ist, hat in der Seitenstraße eine Straßenlaterne abgebaut und einige Meter woanders ein anderes Modell aufgebaut.
Seit 50 Jahren gehe ich im Elternhaus ein und aus, das neue Lichtdesign überrascht. Die Laterne vorher leuchtete nicht in unseren Hinterhof. Die neue Beleuchtung erfasst die rückwärtige Hauswand und eine Reihe Bodenplatten. Wir haben uns nicht bewegt …
Ich denke daran, meine Geburtstagspartys wieder aufleben zu lassen. Es brauchte nicht viel. Freunde und Familie, großes Tischensemble und Stühle unter freiem Himmel. Es hat nie geregnet. Es war Sommer, die Schwalben konnten über uns hinweg sausen. Wir hörten Musik, grillten, aßen, tranken. Da war was in der Luft, wie eine leichte, besondere elektrische Spannung. Wir haben uns so gut verstanden.
Nachts stellten wir Teelichter in bunten Gläsern auf die Tische. Nun gäbe es zusätzlich noch die neue Straßenbeleuchtung.
Ich hörte mit den Partys auf, weil sich irgendwann die Fotos, für die meine Schwester zuständig war, jedes Jahr glichen. Und Gründe, die ich vergessen habe.
Der Nachbar gegenüber im 1. Stock hat eine kostenlose Zimmerbeleuchtung bekommen. Da sollte kein Bett stehen. Es wäre wie 365 Vollmondnächte im Jahr.

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Sonntagsbild 482

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 8:33 Uhr
Wetter: naßkalt & 7 °C
Stimmung: hochenergetisch
Chrizzy, der spürte, auch Wärme kann ein Privileg sein…

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Neujahr

Die Kippen des neuen Jahres
mischen sich mit den Kippen
des alten Jahres.
Der Wind bringt Regen.
Ich werde
mich noch rasieren müssen.
Zeit ist weder schön noch hässlich.
Es ist allein der Gedanke, der bleibt.
Rollkofferrallye.
Bahnsteigkante.
Einstieg.
Abfahrt.
Aufgescheuchte Vögel begleiten den Zug.
Eine Weile.
Bis sie sich eines Besseren besinnen.

©hristoph Aschenbrenner

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