Sonntagsbild 419

Sonnenaufgang: 7:06 Uhr
Tageszeit: Morgen
Wetter: nahezu wolkenlos & 7 °C
Stimmung: gespannt
Chrizzy, der überlegt, dass das schlimmste am Herbst wäre, wenn er herzlos wäre…

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Luftmaschen

Regina (klatschmohnrot) hat mich mit ihrem Beitrag Das deprimierte Nadelspiel an etwas erinnert.

Grundschulzeit. Wie schon mal erwähnt, waren die Sozis an der Regierung. In der Schulpolitik wirkte sich das darin aus, dass wir uns mit Mengenlehre abquälten. Und nach dem alle-sind-gleich-Prinzip steckte man uns Jungs auch in den Textilunterricht.
Woran ich mich dabei besonders erinnere, dass ich die Technik der Luftmasche beim Häkeln sehr gut kapierte und endlos weiterführte, aber in die nächste Reihe zu kommen, schaffte ich nie. Also keinen gehäkelten Topflappen für zu Hause …
Ähnliche Probleme hatten die anderen Jungs. Statt mit den Mädchen nähen zu lernen, z. B. Filzpuppen, hielten wir uns gemacht für auf Bäume klettern, Kirschkerne weit spucken, mit dem Rad so bremsen, dass wir mit dem Hinterrad aus der Spur ausbrachen und möglichst viel Staub aufwirbelten. Solche Dinge eben. Nein. Das Kultusministerium wollte es anders.
In einer Stunde Textil hatte die Lehrerin den armen Frank sehr in die Mangel genommen. Sie machte ihm noch mal klar – vor versammelter Klasse – dass es keinen Sinn machte, Unfähigkeit vorzutäuschen, im Unterricht müsse er doch mit arbeiten! Es folgten langwierige Anweisungen zur aktuellen Aufgabe.
Ich glaube, Frank war den Tränen nahe. Schmächtig und klein war er sowieso immer.
Ohne Pause begann die nächste Stunde. Religion bei unserem Ortspfarrer. Das hatte die SPD nicht verhindern können.
Er grüßte uns. Wollte anfangen mit dem Unterricht und wir sollten unsere Hefte aufschlagen. Apathisch saß Frank da. Regte sich nicht. Das fiel dem Geistlichen auf. Freundlich erkundigte er sich, was bei ihm los sei.
Frank platze raus: „Ich hasse Gott!“
Dem Priester fiel die Kinnlade herunter. Er fragte, warum Frank das meinte.
„Er hat die Textillehrerin gemacht!“
Wie schön, dass Seelsorge zum Beruf gehört, und der Pfarrer auf Frank ein ging und ihn etwas aufbauen konnte.
Trotzdem. Ich habe diesem Mädchenfach nichts abgewinnen können, außer heute abgesprungene Knöpfe selbst wieder annähen zu können …

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Gejammer

Passende Schmutzwäsche zusammen suchen. 40 Grad. In die Waschtrommel. Die drei Hemden noch mal raus. Besser ist, sie zugeknöpft zu waschen.
Im Bad neben der Waschmaschine auf dem Rand der Badewanne sitzen. Eher balancieren. Knöpfe ins Tuch treiben. Ächz! Jedes Hemdloch ziert sich wie eine Jungfrau …
Waschmaschine einschalten. Den Wäschekorb so hinstellen, dass ich nicht darüber stolpere. Ich kenn‘ mich ja.
Meine heutige To-do-Liste umfasst „Haushalt“.
Etwas aus dem Keller holen. Dabei am Besten Restmüll raus tragen. Schlüssel? Check! Kellerschlüssel extra? Check!
Müll in die Tonne. Und welcher der zwei identisch aussehenden Schlüssel ist nun der Haustürschlüssel? Im Keller hebe ich den Koffer hoch. Habe ihn viel schwerer in Erinnerung. Wenn was fehlt, merke ich es oben …
Türen hinter mir schließen. Alle Schlüssel? Check, check!
Waschmaschine? Noch 18 Minuten.
Da war noch was. Im Wandschrank ist eine Gardinenstange für Stores hinter die Verkleidung gefallen. Weiß der Geier, warum ich sie darin aufbewahrte. Ich brauche Werkzeug, Schweiß, laute Flüche und 20 Minuten, um das Ding wieder in den Händen zu halten. Eine Haltung mit Tätigkeit über Kopf und gestreckten Armen ist schmerzhaft.
Über den Wäschekorb stolpern und Waschmaschine leeren. Balancieren auf dem Badewannenrand. Hemden aufknöpfen. Wäsche aufhängen. Mein Rücken, mein Rücken …
Jetzt reicht’s! Ich hab Durst! Ich hab Hunger!
Vor einem warmen Mittagsessen sollte das Essen gemacht werden. An den Herd. Meine Laune kocht!
Tja. Muss alles allein machen. Schreiben tu ich lieber. Genauso allein. Nun, beim Haushalt und dem Schreiben ist man stolz, es geschafft zu haben.
Ein runder Rülpser kommt tief aus mir raus. Pardon! Das Essen war das Richtige zur richtigen Zeit.

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Sonntagsbild 418

Sonnenaufgang: 6:55 Uhr
Tageszeit: Morgen
Wetter: trocken und bewölkt & 10 °C
Stimmung: zuversichtlich
Chrizzy, der Phase 2 beobachtet: Neue Fenster und Vorarbeiten an der Fassade…

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Herzzeit

Tanzen unter fallenden Blättern,
fetzen über das Laub.
Du und ich spüren den Wind,
ein Rausch.
Kuss! Kuss! Kuss!
Im Bistro heiße Getränke
zu glänzenden Blicken.
Geben aus das letzte Geld.
Wächst schon wieder nach.
Draußen dunkelt der Regen die
Welt, aus deren Takt wir kommen.

Ich bring dich, wohin du willst.

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Es regnet heute

Alt geworden. Erwachsen soll ich sein. Soll endlich verstanden haben, worauf es im Leben ankommt. Zumindest ehrlich bin ich, und deshalb gebe ich zu, das Foto ist einige Jahre alt.
Was ist denn nun wichtig im Leben? Heute, wo der Wind wieder die Blätter von den Zweigen reißt. Wo erst im Frühjahr neues Grün und bunte Blüten wachsen. Ist es finanzielle Sicherheit und darüber hinaus materieller Wohlstand? Ist es Schönheit? Ein hoher IQ? Beste Schul- und Ausbildungsabschlüsse? Angesehene Jobs?
Wann fangen wir damit an, uns anzupassen, uns die Ziele unseres Umfelds zu unseren eigenen zu machen, ja, zu übertreffen?

Hier fing es bei mir an. Hier lernte ich laufen. Und Vater und Mutter waren bei mir. Und so beobachte ich das auch bei meiner kleinen Nichte. Die war schon bei der Geburt so cool, dass sie gar nicht schrie. Und sie kannte zunächst nichts weiter als Essen, schlafen und lächeln.
Nun höre ich von meiner Schwester und meinem Schwager, dass auch sie nun etwas dazu gelernt hat: Weinen. Weinen aus Unwohlsein, wegen zu viel Hektik um sie herum, weil sie zahnt. Und so ist sie eben auch ernst.
Ich wurde traurig, denn diese Erfahrungen kann man Kindern nicht fernhalten. Man kann nur versuchen, sie wieder zum Lachen zu bringen.

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Folgen der Vermehrung

Letztes Wochenende musste ich zu einem Baumarkt. Direkt daneben ist ein großer Babyfachmarkt. Ein Babybaumarkt.
Ich dachte, das schau ich mir an. Und vielleicht finde ich was Schönes für meine kleine Nichte. Ein Lätzchen bedruckt mit ihrem Namen, wenn sie bald gefüttert wird.
Drinnen groß, hell, freundlich. Aber nicht ungefährlich. Ein Kind hatte sich gestoßen und eine Beule geholt. Schrie nach den Eltern. Es gab so viele hier. Eltern und Kinder.
In der Mitte ein riesiger Parkplatz der bis ins Morgenland reichte. Werksneue Kinderwagen und Buggys. Für gutes Geld bekamen Babys und Eltern alles, was das Herz begehrt: aerodynamisch, mit elektrischen Fensterhebern, ABS, stufenlos regelbarer Hydraulik, GPS und Wetterradar.
Dann eine gigantische Regalwand mit Kindersitzen fürs Familienauto.
Es gab ein Aufschrei und schluchzendes Geheul, unterbrochen von kurzem Luftholen. Eine weitere Beule …
Ich entdeckte die Textilien. Kleine Dreieckstücher aus Mikrofaser von „s. Oliver“. Immerhin 6 €. Ich grübelte. Wofür waren die gut? Bis ich eine Idee hatte. Als Halstuch. Aber warum sollten die Kleinen wie John Wayne aussehen?
Eine Menge Strampelanzüge mit der Aufschrift: „Papas Liebling“ Hm. Dürfen die Mamas ihre Kinder nicht lieben? Oder gibt es jetzt mehr allein erziehende Männer? Wohl kaum!
Was ich suchte, fand ich nicht. Überhaupt nichts, was durch Namen personalisiert gewesen wäre. Schade.
Ich verließ das Babyparadies und ging über den Parkplatz und wurde beinahe von einem SUV überrollt. Ein Familienpanzer von Audi. Mit drei nagelneuen Kindersitzen auf dem Rücksitz.

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Sonntagsbild 417

Sonnenaufgang: 6:44 Uhr
Tageszeit: Morgen
Wetter: klar, sonnig & 12 °C
Stimmung: am liebsten die Brocken hinschmeißend

Chrizzy, der sich im März den Anblick dieser Fassade gut gemerkt hat, denn jetzt kommt Phase 1: Rodung und neue Haustür…

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