Doch zünde mir eine Zigarette an

Die Sonne tut nicht mehr weh. Mag sein, dass der Sommer ’ne Verlängerung bekommt. Der Herbst eben wird kürzer. Früher, schneller dunkel wird ’s.
Tja, wir sind im letzten Jahresquartal. Drei Monatsmieten und zu begrüßen ist ’s neue Jahr.
Und ich werd‘ irgendwas wieder versäumen, liegenlassen, verlier’n. Könnt‘ sein ein Versprechen, die Liebe oder den Verstand. Kann ’s nich‘ sagen. Je mehr ich weiß, umso mehr möcht‘ ich vergessen …

Das Kind schaut und lacht. Dann muss es lernen. Wissen, was Schmerz ist. Was Einsamkeit bedeutet. Hilflosigkeit. Stress. Angst. Es wird nur so lange Geborgenheit erfahren, wie es sie von anderen bekommt.
Ein Gebet für Kinder, in welcher Religion auch immer, sollte betonen, dass es die Kinder sind, die den Frieden in diese Welt bringen.

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Zu Besuch

Als ich ankam, musste ich noch eine steile Auffahrt hinauf fahren.
Du lebtest wunderschön mit deiner Mutter und den Großeltern. Das Haus hatte an einer Seite große Fenster mit Aussicht. Alle anderen waren nur Luken aus Glas. In den Berg gebaut.
Bei den schönsten großen Augen, die ich kannte. Ich quatschte so viel.
Für die Nacht hast du mir dein Zimmer überlassen … Hast du darauf gewartet, dass ich dich rufen würde? In deinem Bett lag ich und der Mond brannte in mir.
Ich hörte die Autos unten auf der Straße. Wie Meeresrauschen in zu hoher Frequenz. Als es ruhiger wurde, schlief ich ein mit meiner Lust auf dich.
Unser Frühstück war bestimmt sehr gut. Ich glaube, dass ich zum Mittag wieder abfuhr.
Ich glaube, ich war ein riesengroßer Trottel.

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Sonntagsbild 472

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 7:50 Uhr
Sonnenuntergang: 18:40 Uhr
Wetter: Sonne scheint & 14 °C
Stimmung: verrückt
Das Geheimnis alter Schränke in alten Schuppen hat Chrizzy nie erfahren…

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Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Autorenwelt …

Episode xyz …

Mit viel Arbeit war eine Lesung unserer Gruppe vorbereitet worden. Die Besitzerin der Location sagte aber kurzfristig ab. Es fand sich auf die schnelle was Neues, aber die Werbung war längst raus …
Einige Zuhörer hätte es schon gegeben, doch wir beschlossen, es komplett abzublasen. Es waren mehr Autorinnen und Autoren anwesend als Publikum.
Das passiert. Jeder war auf seine Weise enttäuscht oder wütend, oder einfach nur erleichtert, weil die Anspannung vorbei war.
Wir hatten Zeit und wollten uns noch bei einem Bier zusammen setzen. Diejenigen, die anfingen sich zu beschweren, waren die Frauen. Und es blieb bei weiten nicht bei der geplatzten Lesung. Es steigerte sich zu hysterischen Ausbrüchen darüber, was für sie in unserer Gruppe alles schief lief und unerträglich war.
Hm … Es musste erst ein gewisser Stress kommen, damit diejenigen, die sonst immer nur vor sich hin lächelten, anfingen, über Grundsätzliches zu kommunizieren.
Ich erinnere mich nicht, dass wir eine Lösung gefunden hätten. Eher, dass ich überlegte, bei uns eine Art Bewerbungsverfahren einzuführen. Das geschah aber nie.
Unser Gründungsmitglied musste los. Alle anderen Herren verabschiedeten sich auch, gaben einander den Bruderkuss.
Draußen war noch Tag.

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Eingeordnet unter 2018, Bei Sem;kolon zu Hause, Lesung

(ohne Titel)

Ich habe noch nicht mit jemanden persönlich gesprochen. Niemanden aus dem Kriegsgebiet. Kein Flüchtling. Keine Muslime. Niemanden, der hier so respektlos behandelt wurde. Beim Ausländeramt. Beim Jobcenter. Und gerade aus dem Bus geworfen wurde, wegen einem Kaffe-to-go Becher in der Hand. „Es ist verboten!“ schrie der Busfahrer, dass ich es an der Haltestelle hören konnte. Wo ich saß. Wohin sie zurück kehrte.
Sehr gut gekleidet war sie. Gut deutsch konnte sie. Die junge Frau entschuldigte sich. Fragte: „Wo kann man sich beschweren?“
„Bei den Stadtwerken. Ich hasse Busfahren so sehr, dass ich mir ein Fahrrad gekauft habe.“
Tonlos meinte sie: „Ich bin in Deutschland.“
Ich versuchte zu sagen: „Sie dürfen hier sein. Sie dürfen sich hier einrichten …“
„Und Arbeit“, kam es ganz leise.
„ … und arbeiten! Es ist Ihr Recht! Aber die meisten“, ich machte eine weit ausholende Geste, „wissen das nicht.“
Ich sah Tränen in großen braunen Augen.
Genau die Tränen, die vergossen wurden, als das Gebell der Geschütze näher kam, als die ersten Verwandten getroffen wurden, als sie rannte, rannte um ihr Leben.
… jetzt ist sie in Deutschland.

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Rettet den Weltraum vor den Raumfahrern

Die Menschen wollen zum Mars. Der Mond ist out.
Das war vor knapp 50 Jahren anders. Armstrong betrat den Trabanten. Und die Menschheit am TV. Schon 1972 gab man den Mond auf. Es fehlten die Einschaltquoten. La Luna durfte wieder romantisiert werden.
Nun trainieren Astronauten für einen möglichen Marsflug. Auch wenn sie ihre Partner und Kinder nicht mehr wiedersehen werden.
Denn anscheinend ist der Rückflug nicht im Preis inbegriffen. Ein autarkes Leben unserer Spezies auf der Erde roter Bruder ist wohl nicht möglich, sodass diejenigen, die als erste einen fremden Planeten betreten werden, in Kauf nehmen, dort auch zu sterben. Hm … wer begräbt den letzten?
Vermutlich gibt es dann ein ähnlich großes mediales Interesse, wie beim ersten Apolloflug zum Mond. (Am Besten dreht man vorher noch einen gefakten Film, um die Verträge mit Sponsoren einzuhalten, falls die Rakete schon beim Start explodiert …) Leider gäbe es immer noch viele Menschen auf unseren Kontinenten, die dann gerade nicht fern sehen, weil sie am Verhungern sind! Und Verdursten!
Auch Marsmissionen werden aus der Mode kommen. Hat die Wissenschaft ihre Daten, Messwerte und Erkenntnisse bekommen.
Die Sterne kann niemand erreichen, behaupten die Physiker. Nicht die Galaxien, nicht die Sonnen, keine Planeten der Astronomen. Das ist zu weit weg. Und mir zu wenig!
Ich hole mir und anderen keine Sterne vom Himmel. Doch sehe ich die Lichter am Nachthimmel, kann ich auch da sein. Ich brauche keine Lichtjahre reisen. Bin in den funkelnden Welten meiner Gedanken. Den unentdeckten Weiten meiner Fantasie.
Wenn ich loslasse, bin ich schon mittendrin.

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Sonntagsbild 471

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 7:38 Uhr
Wetter: Wolken in Schichten & 10 °C
Stimmung: enttäuscht
Chrizzy sieht, auch der jüngste Baum erfährt den Herbst…

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Heute

… sah ich, wie der Wind Laub trieb
… flogen Zugvögel
… durfte ich lachen

… musste ich nicht im Regen an der Bushaltestelle stehen ohne Dach ohne Sitz
… lief ich nicht mit einem Rudel angestochener Schweine um das goldene Kalb
… stand ich nicht im Stau als Sondermülldeponie und Rußschleuder, was man Auto nennt

… konnte ich schlafen
… hatte ich Sorgen übrig um meinen Vater
… habe ich mich erinnert

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Eingeordnet unter 2018, Lyrik