Vergessen und Verdrängen

Ich glaube mit dem Gedächtnis mancher Leute verhält es sich so wie bei der Strohernte auf einem Bauernhof.
Der Bauer kommt vom Feld mit diesen rechteckigen Strohballen und weist seine Leute an, die in jene Scheune zu stapeln. Den Platz gut ausnutzen!
Und er kommt mit einer Ladung und der nächsten. Seine Leute sind auch fleißig. Was der Bauer aber versäumt hat zu sagen, dass in diese Scheune wirklich nicht mehr als, sagen wir mal, 180 rechteckige Strohballen passen.
Aber seine Leute schaffen 20 mehr! Sie drücken und schieben halt, was das Zeug hergibt. Und sind stolz darauf!
Nur, die Scheune ist nur vorne offen – sie ist es hinten auch. So fallen dann 20 Ballen hinten wieder raus. Und beim nächsten Regen verfaulen sie …
Das sind die Dinge, bezogen auf das Gedächtnis, an die sich manche partout nicht mehr erinnern.
Dann kommt da auch eine hippe Welle aus den USA herüber geschwappt und mit unserem so eigenen Bierernst wird es schnell eine Glaubensfrage.
Ich meine das ganze Gefasel von Achtsamkeit.
Eines der Prinzipien der Achtsamkeit ist die strikte Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt, auf die Gegenwart. Drüben in Amerika wurde es von einem fähigen Therapeuten entwickelt, um Menschen vor Burn Out zu bewahren, denn er entdeckte bei seinen Patienten immer wieder Sorgen und Nöte die aus der Vergangenheit stammen und die die Zukunft betrafen. Das macht Dauerstress. Außerdem bleibt ohne die Konzentration auf das NOW Arbeit ineffizient. Schön und gut. Hört sich vernünftig an. Und daher darf er nach einigen Bestsellern auch reich werden.
Nur was hat hierzulande Lieschen Müller in ihrer Langeweile nach den Wechseljahren damit zu tun?
Meines Erachtens ist die Methode, um konkret in der Gegenwart zu leben, die Verdrängung. Ich muss also Vergangenheit und Zukunft – ausblenden.
Das kann aber übel werden. Und teuer!
Wer Fristen bei Ämtern und Behörden, das Bezahlen von Rechnungen nicht im Blick hat, dem helfen auch keine Yoga-Kurse, die achtsame Leute gerne mitbuchen …
Eine Überlebensstragie, die einen guten Anfang nahm, nun aber von denjenigen als neues Allheilmittel propagiert wird, die a) ihre Vergangenheit nicht bewältigt haben und b) aus Horror vor dem, was mit der Post kommt, den Briefkasten nicht mehr leert.
Sich seiner Vergangenheit zu stellen, ist überhaupt richtig Arbeit!
Auch unsere Alltagssprache verändert sich durch diese Geisteshaltung. Was ich schon gehört habe, was alles Achtsam sei, geht auf keine Kuhhaut! Was auch mit dem guten Wort „Rücksichtnahme“ zu erklären wäre, was eine Teildisziplin der neuen Bewegung ist, nee, es muss Achtsamkeit heißen. Hört sich typisch deutsch und militärisch für mich an: „ACHT-ung! Stillgestanden!“
Langweilt ihr euch so sehr, dass ihr ungebremst wild darauf seid, dem gleichen Käse immer neue Namen zu geben?
Es ist übrigens kein Molkereiprodukt, auf sich und andere mehr Rücksicht zu nehmen, finde ich. Es stört nur, wie man es jetzt nennt. Für Menschen mit dem Blick auf das große Ganze und einem passenden Gedächtnis ist es nichts Neues. Tut mir leid.

4 Kommentare

Eingeordnet unter 2022

4 Antworten zu “Vergessen und Verdrängen

  1. Was haben denn Lieschen Müller und ihre Wechseljahre in deinem eigentlich guten Post zu suchen?
    Auch wenn das Wort Achtsamkeit eher so ein Modewort ist, hat es doch seine Berechtigung, für junge wie alte Menschen, für Frauen und Männer, oder?

    Gefällt 1 Person

    • Diese … äh … Frauen (Lieschen Müller etc.) gehören zu meinem Feindbild. Die würden sich nie die Mühe machen, meinen Blog zu lesen oder ihn zu kommentieren. Das können Frauen sein, in einem bestimmten Alter, die SUV fahren. Oder sich normal und ganz gut für etwas engagieren, aber glatt und oberflächlich sind. Oder deren zweiter Vorname „Chaos“ ist, ihre Lebenserfahrung aber schon lange deutlich sagt, gewisse Probleme lassen sich vermeiden, lebt man etwas organisierter …
      Ich bin sensibel für Deine Kritik und freue mich für Dein Lob! Und natürlich ist das Gegenteil von Achtsamkeit, der Egoismus und die Welt der Ellenbogen kein Konzept mit dem wir – gerade in der Zeit von Corona – überleben werden.

      Gefällt 1 Person

  2. Klasse Bildnis mit der Strohernte!

    Ach… siehst Du, schon in das Wort „Achtsamkeit“ sind die ersten drei Buchstaben meines einleitenden Wortes enthalten. In diesen Zeiten, in der Menschen die Bedeutung von Rücksichtnahme zu verlernen scheinen, wird so ein Wort schnell zur Mode.
    Aber Du weißt ja, wie das mit der Mode ist? Sie kommt und geht.

    Gefällt 1 Person

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