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Die Anderen, nicht ich

Jurastudium. 1. Staatsexamen. Doktorand. Hochzeit mit der langjährigen Freundin, Referendariat und 2. Staatsexamen. Doktortitel und Anstellung als Rechtberater in einem großen Medienkonzern mit strammen unter 30 Jahren. Das geht! Das kann man schaffen. Ich kenne solche Fälle. Persönlich. Furchtbar nette Menschen. Ich hatte beruflich nebenher mit ihnen zu tun. Von einem habe ich noch drei klasse CDs von Joe Bonamassa gebrannt bekommen.
Für ihre Karrieren fehlten mir gefühlte zwei Millionen Voraussetzungen. Wenn man sich die Zahl, 1.000.000, mal vorstellt: eine eins mit sechs Nullen. Was das in Euro wäre, damit hat man als Normalo schon Schwierigkeiten. Oder man schaut in den klaren Nachthimmel. Würde man da nicht auch beim Zählen streiken und pauschal lieber von Millionen Sternen sprechen? Wie lange würde es dauern, wenn man 1 Mio. Legosteine abzählen müsste? Oder Dominosteine?
Und nun gibt es für mich zwei Millionen Gründe, nicht den Weg gegangen zu sein, den sie gehen konnten. Im Alter von höchstens 28 Jahren alles unter Dach und Fach, privat, beruflich und auch gesellschaftlich.
Selbstverständlich kann ich nur darüber spekulieren, wie ich mich fühlen würde, hätte ich es ebenso gemacht oder machen können. Denn aus meiner eigenen Geschichte, die anders verlaufen ist, und aus meiner Haut komme ich nicht raus. Daher gibt’s auch keinen Grund für Neid. Es gab ca. 2 Millionen gute Gründe, es nicht zu tun. Jetzt ist der Moment. Genau jetzt entscheide ich – und wer sollte es sonst tun? – ob mir mein Leben heute gefällt. Keine verpassten Gelegenheiten oder Versäumnisse, kein Rüberschielen auf andere Leute machen mich glücklicher. Vielfach ist Glück die perfekte Interpretation meines Daseins zum Positiven hin. Und da fallen mir noch ein paar Millionen Gründe mehr ein … ;-)

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