Archiv der Kategorie: Musik

50 Jahre „White Album“ und eine Geschichtsfälschung

Die Beatles überraschten in den 60ern mit ihrer Musik von Album zu Album. Und sie tun es heute noch. Auch wenn sie sich 1970 getrennt haben und nur noch zwei Bandmitglieder leben.
Das 50-jährige Jubiläum des Weißen Albums dieses Jahr wird kommerziell strategisch perfekt gefeiert.
Einfach 1968 mit dem dem Bandnamen, „The Beatles“, als Doppel-LP veröffentlicht und mit einem nackten, weißen Cover versehen, beinhaltete es 30 Songs, die vielfältiger, kreativer und sowohl poetischer als auch politischer nicht sein konnten.
Kern der Neuveröffentlichung 2018 in unterschiedlichen Editionen ist der neue Stereo-remix des Weißen Albums. Verantwortlich dafür ist Giles Martin, der Sohn des damaligen Beatles Produzenten George Martin – es bleibt in der Familie.
Der neue Mix bringt z. B. Johns Stimme in den Vordergrund, Gitarren klingen nicht mehr zuckersüß sondern rockig und Pauls geniale Bassläufe konnte man bisher nirgendwo auf diese Weise heraus hören.
Gut gemacht, bringt Bewegung in alte Hörgewohnheiten und entzaubert dennoch nicht den Nimbus von Aufnahmen, die ein halbes Jahrhundert alt sind.
In der Luxus-Editon mit einem 170 Seiten Hardcover Buch werden viele noch unbekannte Fotos von den Aufnahmen und drum herum gezeigt.
Aber kein Mensch darauf raucht! Hallo!? Es waren die 60er! Die vier Beatles haben geraucht ohne Ende … nicht nur Tabak!
Was will man mit der Auswahl nicht rauchender Beatles oder sogar retuschierter Bilder bezwecken? Gesundheit und richtige Ernährung sind die neuen religiösen Überzeugungen. Wer sich ans Lauftraining und Tofu hält, kann seinen Körper formen und die Lebenserwartung verlängern. Meint man. Da sind Raucher Abschaum.
Die Beatles brauchen eine weiße Weste. Ein sauberes Image. Gerade beim „White Album“.
Auch wenn es Geschichtsfälschung ist.
Was kommt als nächstes? Geht man in die Museen und übermalt in Peter Paul Rubens Gemälden jene Stellen, wo die Frauen zu füllig und üppig sind?

Die 2018 Jubiläums-Editionen von „The Beatles“ (White Album) sind:
Edition A: 3 CDs (mit neuem Stereo-remix und beinhaltet zusätzlich die CD „Esher Demos“)
Edition B: Doppel-LP (mit neuem Stereo-remix)
Edition C: 4er-LP-Set (wie ‚B‘ inklusive „Esher Demos“)
Edition D: Super Deluxe Limited (mit 6 CDs und 1 Audio Blu-ray und Hardcover Buch)

 

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Meine schönste Lesung (bis jetzt)

Aus den Lautsprechern kam mit Bums „Django“. Joe Bonamassa. Bluesrock. Eine Liveaufnahme.
Er und ich warteten hinter angelehnter Tür auf unseren Auftritt.
März 2015. Mein zweites Buch war erschienen. Grund genug, mich mit einem DJ und wunderbarem Menschen zusammen zu tun, um die BOOKJOCKEY PARTY auf die Beine zu stellen.
Er hatte sein Laptop mit DJ Software und einer Festplatte voll Musik angeschlossen. Unser Musikgeschmack hatte eine große Schnittmenge. Ich hatte jede Menge Texte zum Vortragen geprobt.
Die Location war ein angesagtes Bistro, das auch für Events dieser Art ausgerichtet war.
Nun erklang ein Jingle, welches ich extra von einer Radiomoderatorin anfertigen ließ. Ich ließ meinem älteren Kompagnon den Vortritt und wir schritten namentlich angekündigt in den Raum, was uns einen Begrüßungsapplaus einbrachte.
Das hatte ich so noch nicht erlebt …
Auf der Bühne setzten wir uns an auf vintage gemachte Tische. Jeder ein Mikrofon. Ich begrüßte die Anwesenden.
Es waren viele da. Auch wichtige Leute. Vom Verlag meine Lektorin, die sich während der Lesung um den Verkauf meiner Bücher gekümmert hat. Eine freie Mitarbeiterin vom WDR. Sogar von meiner Autorengruppe hat es sich eine Autorin nicht nehmen lassen, wenigstens bis zur Pause zuzuhören.
Das Konzept war so einfach wie wirkungsvoll. Nach jeder meiner Kurzgeschichten spielte der DJ spontan einen Musiktitel an. Er erklärte dem Publikum, weil die Stimmung oder Intension in meinem Text ihn an den bestimmten Song erinnern würde. Er machte es wundervoll!
Wir hatten das im Einzeln nicht geprobt …
Es gibt Fotos davon. In meinem roten und leicht schimmernden Jackett. Und ich habe gelächelt! Meine Stimme war wie immer fest, tief und druckvoll. Keine Nervosität.
Ich fand, für eine ca. zweistündige Lesung mit Musik mit Pause und ohne Eintritt haben die Gäste eine Menge geboten bekommen. Das war professionell, Showbiz. Sie gaben es uns mit Applaus zurück. Meine Verlagsfrau hat gestaunt, wie viele Bücher sie verkauft hat. Es war schön, direkt im Anschluss von vielen zu hören, dass wir es noch mal machen sollten.
Irgendwann wollte ich gehen. Ich hatte noch meine Mappe mit den Texten auf dem Lesungstisch liegen. Ich nahm sie mir und drehte mich im Richtung Ausgang. An einem Tische vor der Bühne saß ein junger Mann.
Er nutzte die Gelegenheit und fragte mich: „Kann man davon leben?“
Ich dehnte die Zeit bis zu einer Antwort lange aus. Ich wusste sofort, was ich sagen würde. Aber es war frappierend, dass es auf jeder Lesung solche Träumer, Deppen und Realitätsflüchter gab.
Ich sagte: „Davon nicht.“
Und ging.

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Sonntagsbild 466

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 6:41 Uhr
Wetter: trocken und teilweise bewölkt & 12 °C
Stimmung: gefasst
Chrizzy findet, man hat schon mehr Medienrevolutionen erlebt als Währungsreformen…

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Rockpoeten

Auf dem Bett die wärmere und die leichtere Decke. Zur Auswahl. Kommt der Herbst?
Früh hat sich für mich abgezeichnet, dass zwischen brodelnd kochend und gefroren starr das normale Leben lag. Ich konnte es nur nie erreichen. Nicht normal ist auch eine Lebensform!
Vor gut 40 Jahren mussten wir davon ausgehen, dass der Himmel aufblitzte und die Erde in einem atomaren Feuer für immer verbrannte. Zu dieser Zeit entstand die Musik, in die ich mich heute verliere.
Sie ist laut. Sie ist leise. Rhythmus, Melodien, Gesang. Manchmal ist der Refrain ein Heilmittel. Musik als Träger meiner Erinnerungen.
Herbst. Buntes Laub. Der Nebel kommt in die Stadt, verschluckt die Straßen, Bäume, die Krähen.
Ich nehme die wärmere Decke.

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Rocker

Ich mach den Stecker rein und dreh‘ alle Knöpfe auf zehn.
Ich habe mich schon viel zu lang versteckt.
Vielleicht merkt jemand, wie sehr ich um Hilfe schrei‘?
Spür‘ den Bass unter meiner Bauchdecke.

Analog? Digital? Egal.
Es muss meine Musik sein.
Die von früher, als ich rechts ran fahren musste,
weil ich vor Tränen nichts mehr sah.

All die schlaflosen Nächte unter Kopfhörern.
All die Bestellungen. Kaufsucht?
Wie die Dinge liegen, wird nichts einfacher mehr.
Vater, Mutter, warum habt ihr mich nicht gewarnt?

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LedZep

Als ich anfing, die Saiten meiner E-Gitarre und damit auch die Ohren und Nerven meiner Eltern zu quälen, dürstete es mich nach Schallplatten. Nach Gitarrenvirtuosen, von denen ich lernen konnte.
Leider waren schon die 80er Jahre ausgebrochen. Für eine Weile war jedes Gitarrensolo verpönt. Man hörte Synthesizer und die Neue Deutsche Welle im Radio.
Meine erste Freundin, eine aus meiner Schulklasse, hatte sich nach unserem „miteinander Gehen“ gleich mal verlobt … Ich habe es ihr gegönnt, und wir pflegten weiter Kontakt. Ihr Verlobter war älter und ging schon arbeiten. Übrigens hatte er auch mal E-Gitarre gespielt.
Bei ihm konnte ich in all die Rock-Platten aus den 70ern rein hören, bei denen ich fand, was ich suchte.
Improvisationen und Soli bei Ten Years After, Jimi Hendrix und LedZep, also Led Zeppelin. Ich hörte und spielte zugleich so lange, bis ein Funke übersprang und sich mein Spiel ein wenig anhörte wie bei Rory Gallagher.
Fast zum Ende der Dekade entdeckte ich die CD für mich. Ich hielt sie für den perfekten Klangspeicher. Jede LP, für die ich die CD bekam, gab ich in gute Hände weiter. Allerdings habe ich mir nie die Mühe gemacht, einen besseren Plattenspieler zu besorgen oder mal eine Nadel auszutauschen …
Nach dem Ende einer Beziehung in 2012 fing ich wieder an, mich für das Vinyl zu interessieren. Ich staunte, wie wenig passable und klanglich taugliche Schallplattenspieler gebraucht kosten. Ersatznadeln bekommt man über das Internet, und der Austausch lohnt sich!
All meine Platten hatte ich abgegeben. Um wieder etwas analog zu hören, habe ich einen Gebrauchtschallplattenmarkt geplündert. Dort bekam ich LPs aus dem gleichen Auflagejahr, wie ich sie selbst hatte. Und zur heutigen Zeit veröffentlichtes Vinyl, die Aufnahmen waren zwar von früher nur eben als Remaster.
Und so kommt es, dass ich analog LedZep höre, und die ewige Frage bleibt: Wie hat Jimmy das nur gespielt?

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Viva!

Es muss kurz vor meinem großen Abflug von zu Hause gewesen sein. Ich habe als Fahrer für Medikamente gearbeitet, es aufgegeben und in den letzten Monaten noch als Verkäufer in einem CD-Laden gejobbt.
Meine Schwester stellte heute noch fest, dass sie und ich Musik mögen. Es ist schön, dass ich noch einige Vinyl-Platten habe, aber von Anfang an war ich der Digitalitis verfallen. Klang in Reinform auf einem kompakten Datenträger, der mit dem Case noch in eine Manteltasche passt.
Auch wenn man heute lieber Songs herunter lädt und mit dem Streamen überhaupt nichts physikalisches mehr in den Händen hat, haben bei mir CDs noch Bedeutung und ich gebe ihnen den Vorzug.
Gerade läuft eine Disk der Doppel-CD „Viva Santana!“ Ich suchte eigentlich eine andere CD von Santana, aber im Laden war nur die. Ich habe mir angeguckt, was für Titel drauf waren, und dachte: „Ok, ich nehme sie mit.“ Ich erinnere mich, dass die CD oben auf einem Regal in dem Laden stand, weil sie weg sollte. Sie war schon zwei Jahre alt. Nun war wieder die helle Wandfarbe zu sehen.
Es war ein bewegter Start in ein neues Leben, als ich hier her kam. Meine CD-Sammlung ließ ich erst mal zu Hause. Ich bin dankbar dafür, dass es meine Eltern geschehen ließen. Vielleicht haben sie auch gedacht, dass wird nichts mit den Plänen in der Fremde.
Jedenfalls habe ich dort eine weitere CD von Santana gekauft. Eine aktuelle.

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Der erste Stich

Ich stehe morgens auf. Gehe nach nebenan, setze mich an den Tisch und kratze den Finger meiner rechten Hand. Je mehr ich kratze, um so mehr juckt es. Ich halte inne. Ein Mückenstich? Ja, ziemlich eindeutig. Soll ich mich freuen? An einen solchen Stich im letztes Jahr kann ich mich nicht erinnern. Aber an meine Besorgnis um den Rückgang der Insekten als Nahrungsquelle für Vögel und andere Tiere.
Ich stelle eine CD zusammen. Brenne eine CD von den Titeln einer Cassette. Die Cassette muss ich zu Beginn der 90er aufgenommen haben, aber die einzelnen Stücke verschiedener Interpreten sind älter, viel älter.
Zu der Zeit war der Umzug nach Münster. Auch musikalisch suchte ich neues Hörterrain. Die Charts der 80er waren Geschichte, alte Rock ’n‘ Roll Helden gab es nun auf CD, aber das war nichts Neues. Was die Teenies ansprach, waren Techno und Hip Hop. Etwas, was mir zunächst widerstrebte.
Gab es in meinem Plattenschrank vielleicht noch Alternativen? Da war der schwarze Trompeter mit einer automatischen Waffe auf dem Cover. Miles Davis. Eine Single mit David Bowie und der Pat Metheny Group. Die LP mit Dean Martins „Love Songs“. All das baute ein großes Netzwerk neuer Musikinteressen auf. Von Big Bands der 20er Jahre, Swing, Combos, Modern, Bebop, Cool und Fusion bis zu seinen Ausformungen heute – dem Jazz.
Oft habe ich beim Hören von Jazzmusik das Gefühl, melancholisch und beschwingt zugleich zu sein. Oder beschwingt und melancholisch. Beides darf nebeneinander existieren. Sind alle Gefühle des Lebens eindeutig?
„Jazz“ nannte ich dann die Cassette, die ich in den frühen 90ern beim Aufbau für eine Party abspielen ließ. Sie lief in einem portablen Gerät, wo das Cassettenfach von selbst auf die andere Seite umsprang, wenn die vorige zu Ende war.
Eingeladen hatte ich neben Freunden und Kommilitonen auch Geschwister. Alle kamen hierher. Eine nette Frau etwas eher, sie wollte mithelfen. Ab da waren wir einige Jahre zusammen.
Geküsst haben wir uns das erste Mal beim Sound von Seite B der … Jazz-Cassette!

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